/ 21.06.2013
Oliver Hidalgo / Karlfriedrich Herb (Hrsg.)
Die Natur des Staates. Montesquieu zwischen Macht und Recht
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Staatsverständnisse 20); 198 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-4159-8Zahlreiche bedeutsame historische Ereignisse sowie staats- und gesellschaftstheoretische Entwicklungen sind „ohne den Bezug auf Montesquieu kaum zu denken“ (181) – zu nennen wären hierbei nicht zuletzt die Französische Revolution, die Entstehung einer Vielzahl an modernen Verfassungen sowie die Entwicklung der liberalen Marktwirtschaft. Obwohl Montesquieu kaum als alleiniger Referenzautor für eine bestimmte (Teil-)Disziplin taugt (selbst die oftmalige Rede vom „Vater der Gewaltenteilung“ beruht streng genommen auf Missinterpretationen, wie im Buch deutlich wird), ist es die Vielfalt und vorausschauende Qualität der Argumente in seinem Hauptwerk „Vom Geist der Gesetze“, welche die Beschäftigung mit Montesquieu auch heute noch interessant macht. Diese Vielfalt wird im Band ausgiebig aufbereitet und gewürdigt. In drei Hauptteilen erläutern die Autoren in verständlicher Weise, wie Montesquieu das Denken über den modernen Staat revolutionierte, indem er das zu seiner Zeit vorherrschende normative Denken über den Staatsapparat hinterfragte und stattdessen die variierenden historischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Determinanten unterschiedlicher Regierungen in den Mittelpunkt stellte. Im ersten Teil beschäftigen die Autoren sich mit den anthropologischen und philosophischen Grundlagen seines Denkens. Dabei steht vor allem seine Neubestimmung des Naturbegriffes im Mittelpunkt, aber auch das komplexe Verhältnis zwischen Macht, Gesetz und Freiheit. Die Diskussion von Montesquieus Regierungstypologie sowie die selbstständige Rolle, die er der richterlichen Gewalt im politischen System zuweist – sicher eine der zentralen Innovationen seines politischen Denkens, steht im Mittelpunkt des zweiten Teils. Im dritten Teil schließlich wird das spezifische Verhältnis von Staat und Bürger bei Montesquieu angesprochen. Abgerundet wird der Band durch einen Überblick über Montesquieus Wirkungsgeschichte, sowohl in politischer als auch in geistesgeschichtlicher Hinsicht.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Oliver Hidalgo / Karlfriedrich Herb (Hrsg.): Die Natur des Staates. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30795-die-natur-des-staates_36593, veröffentlicht am 24.07.2009.
Buch-Nr.: 36593
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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