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/ 04.06.2013
Werner Link

Die Neuordnung der Weltpolitik. Grundprobleme globaler Politik an der Schwelle zum 21. Jahrhundert

München: C. H. Beck 1998 (Beck'sche Reihe 1277); 185 S.; 19,80 DM; ISBN 3-406-42077-X
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Entstehen einer Vielzahl neuer Staaten aus ihrer Konkursmasse hat das 1648 mit dem Westfälischen Frieden erstmals verankerte Territorialstaatsprinzip seinen endgültigen Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig erfahren aber Theorien, die die Entstehung einer Welt postulieren, immer mehr Auftrieb. Die Erklärung und Bewertung dieser gegenläufigen Tendenzen ist der Gegenstand dieses theoretisch anspruchsvollen, aber sehr nachvollziehbar und verständlich geschriebenen Buchs des Kölner Politikwissenschaftlers. Zunächst hinterfragt Link in aufeinanderfolgenden Kapiteln den Realitätsgehalt dreier oft behaupteter globaler Entwicklungstendenzen: erstens die weltweite Ausdehnung der Demokratie als Staatsform, zweitens die Entwicklung einer Weltzivilisation mit der westlichen Zivilisation als Modell und drittens die transnationale ökonomische Globalisierung. Schließlich beschäftigt er sich mit der Frage, ob diese Vereinheitlichungstendenzen, wie vielfach behauptet, ihre politisch-institutionelle Absicherung in Weltorganisationen wie den Vereinten Nationen finden. Die Analyse führt Link zu dem Fazit, daß keine der beiden grundlegenden Tendenzen vorherrschend ist. "Bestimmend sind vielmehr das ordnungspolitische Paradoxon von Vereinheitlichung und Differenzierung sowie das machtpolitische Paradoxon von (Quasi-)Unipolarität und Multipolarität, von Hegemonie und Gleichgewicht." (151) Selbst die ökonomische Globalisierung bewirkt keine globale Vereinheitlichung, sondern eine Regionalisierung, die tendenziell wieder zu Hegemoniestreben und Gleichgewichtspolitik führen wird. Es entsteht eine "pluralistische Welt mit Paradoxien", in "der Regionalismus (in seiner realen Vielfalt) eine strukturierende Rolle spielen wird" (152). Solange kein neuer struktureller Weltkonflikt die derzeit vorherrschende geoökonomische Konkurrenz mit ihrer Tendenz zum Regionalismus überlagert, werden "Weltordnung und Weltpolitik sogar vorrangig von den geo-ökonomischen Zusammenhängen geprägt [...] sein" (158). Links Argumentation ist in sich schlüssig, wird aber zweifellos auf den Widerspruch vieler Vertreter von heute populäreren Theorieansätzen stoßen. Doch gelingt es ihm auf überzeugende Weise, seine bereits in früheren Publikationen entwickelte strukturell orientierte Interpretation der internationalen Politik auf die neuen globalen Verhältnisse anzuwenden.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.14.34.43 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Werner Link: Die Neuordnung der Weltpolitik. München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6306-die-neuordnung-der-weltpolitik_8568, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8568 Rezension drucken
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