/ 11.06.2013
Thorsten Bonacker
Die normative Kraft der Kontingenz. Nichtessentialistische Gesellschaftskritik nach Weber und Adorno
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000; 306 S.; kart., 78,- DM; ISBN 3-593-36482-4Phil. Diss. Oldenburg; Gutachter: S. Müller-Dohm, T. Noetzel. - Der Verlust eines allgemeingültigen Sinn- und Deutungsfundaments ist in postmodernen Debatten ein Allgemeinplatz. Und so scheint ein ethischer und moralischer Relativismus aufgrund eines fehlenden transzendentalen privilegierten Standpunktes unausweichlich. Mit dieser Konsequenz will sich der Autor aber nicht abfinden und entwickelt einen Begriff von Normativität, der sich trotz und gerade aus der Unmöglichkeit der Auszeichnung essentialistischer Ansprüche ergibt. In Auseinandersetzung mit Max Webers Werttheorie und der kritischen Theorie Theodor W. Adornos tritt die unhintergehbare Kontingenz als der normative Gehalt der Moderne zutage.
Zunächst kann die Analyse der traditionellen Verbindung von Normativität und Essentialismus Voraussetzung, Möglichkeit und schließlich die Paradoxie von Kritik sichtbar machen.
In der Diskussion des Weberschen Begriffs des Sozialen werden die drei konstitutiven Grundfragen einer normativen Gesellschaftstheorie: Objektivitäts-, Begründungs- und Geltungsproblem thematisiert.
Mit Adorno kann die "Selbstverstrickung der Theorie in den nicht vollständig legitimierten sozialen Zusammenhang" (15) und die aufgrund der Unbegründbarkeit von Normen sowie der Dialektik von Geltung und Genese daraus folgende Notwendigkeit der paradoxen Selbstinstitutionalisierung einer institutioneneigenen Grenze aufgezeigt werden.
Als ein Ergebnis bleibt die Forderung nach struktureller Offenheit von in Institutionen stabilisierten sozialen Arrangements.
Aus dem Inhalt: 2. Normativität und Essentialismus; 3. Die Kontextualität der Geltung: Max Webers Werttheorie: 3.1.1 Die Irrationalität der Wirklichkeit; 3.1.2 Die Irrationalität des Werturteils. 3.2 Die gesellschaftliche Konstruktion der Normgeltung; 3.3 Die Wertediskussion als reflexive Institutionalisierung. 4. Die Dialektik von Geltung und Genese: Theodor W. Adornos kritische Theorie: 4.1 Essentialismus als Verdinglichung; 4.2 Das epistemische Selbstverständnis erschließender Kritik; 4.3 Die Dialektik moralischer Normen; 4.4 Die Kontingenz institutioneller Geltung. 5. Schluß: Das Normative zwischen Immanenz und Transzendenz.
Dirk Märten (DM)
Rubrizierung: 5.42 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Dirk Märten, Rezension zu: Thorsten Bonacker: Die normative Kraft der Kontingenz. Frankfurt a. M./New York: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11927-die-normative-kraft-der-kontingenz_14229, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14229
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