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/ 21.06.2013
Herbert R. Reginbogin / Christoph J. M. Safferling (Hrsg.)

Die Nürnberger Prozesse: Völkerstrafrecht seit 1945/The Nuremberg Trials: International Criminal Law Since 1945. Internationale Konferenz zum 60. Jahrestag/60th Anniversary International Conference. Hrsg. im Auftrag des Touro College Jacob D. Fuchsberg Law Center/Edited on behalf of Touro College Jacob D. Fuchsberg Law Center

München: K. G. Saur Verlag 2006; 320 S.; geb. 68,- €; ISBN 978-3-598-11756-5
Anlässlich des sechzigsten Jahrestages der Prozesse fand im Juli 2005 in Nürnberg eine internationale Tagung statt, deren über dreißig Beiträge in diesem Band abgedruckt sind. In den beiden ersten Abschnitten werden die Perspektiven der Opfer und der am Prozess beteiligten Staaten skizziert, wobei vor allem die Akzentuierung der jeweiligen nationalen Interessen und das Problem der Ausblendung der Opfer im Mittelpunkt steht (zu den Ursachen siehe Garkwake). Die nächsten drei Abschnitte sind den historischen Vorläufern und den deutschen bzw. internationalen Nachfolgeprozessen gewidmet. Diese Darstellungen zeigen neben der nur mäßigen und politisch instrumentalisierten Verfolgung in Deutschland auch die Vorbehalte in Zufluchtsländern der Täter. Wissenschaftshistorisch interessant ist der Beitrag von Citron über die Rückwirkungen der Nürnberger Prozesse auf die amerikanische Rechtstheorie und das wiedererwachte Naturrechtsdenken. Der Teil über das Vermächtnis von Nürnberg und die jüngsten Entwicklungen im Völkerstrafrecht dürfte der streitbarste des Bandes sein: So diskutieren die Autoren vor allem die Frage, ob der IStGH als die konsequente Fortsetzung (Kaul, Zimmermann) oder die Infragestellung (Bayefsky, vorsichtiger: Derby) der Nürnberger Prozesse verstanden werden kann. Hervorzuheben sind auch die Beiträge von Alford, der in seinem kurzen Artikel die verschiedenen Wege des Kriegsopferausgleiches aufzeigt, und von Akin, die konkret nach den angewandten Prinzipien des Spezialgerichtshofes für Sierra Leone fragt. Dagegen reflektiert Wolfson anhand der Befreiung des KZ Dachaus über das Unbehagen einer nichtjuristischen Lösung. Weshalb der Beitrag von Heinemann über die Offiziere vom 20. Juli und Gaucks Bemerkungen über eine vergleichende Totalitarismusforschung in diesem sonst so lesenswerten Band aufgeführt werden, bleibt jedoch unerklärlich, tragen sie doch zur Klärung des thematisierten Sachverhalts nicht bei.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 4.12.3132.352.4 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Herbert R. Reginbogin / Christoph J. M. Safferling (Hrsg.): Die Nürnberger Prozesse: Völkerstrafrecht seit 1945/The Nuremberg Trials: International Criminal Law Since 1945. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26619-die-nuernberger-prozesse-voelkerstrafrecht-seit-1945the-nuremberg-trials-international-criminal-law-since-1945_31033, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31033 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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