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/ 21.06.2013
Christian Kellermann

Die Organisation des Washington Consensus. Der Internationale Währungsfonds und seine Rolle in der internationalen Finanzarchitektur

Bielefeld: transcript 2006 (Global Studies); 323 S.; kart., 28,80 €; ISBN 978-3-89942-553-6
Politikwiss. Diss. Kassel; Gutachter C. Scherrer, J. Esser. – Während der Asienkrise in den 90er-Jahren geriet der Internationale Währungsfonds (IWF) wegen seines Krisenmanagements weltweit in die Kritik und damit in eine Legitimationskrise. Kellermann erklärt, warum der IWF trotz vielfältiger Reformvorschläge im Kern keine Reform seiner im Washington Consensus in den 80er-Jahren beschlossenen neoliberalen Politik unternommen hat. Theoretische Grundlage für die Untersuchung ist ein neo-gramscianischer Ansatz, der das Agieren von institutionellen Akteuren innerhalb der etablierten Macht- und Hegemonieverhältnisse untersucht. Der Ansatz hebt die übliche Fachgrenze zwischen Politikwissenschaft und Ökonomie auf, da das ökonomische und das politische System eng miteinander verbunden seien und nur integrativ untersucht werden könnten. Der Autor kombiniert seinen Ansatz mit auf Foucault aufbauenden diskurstheoretischen Überlegungen. Damit lässt sich die Reformdiskussion um den IWF als vermachteter Prozess erfassen, in dem um das gültige Wissen gestritten wird, das wiederum Macht verleiht und Hegemonie stiftet. Kellermann stellt zunächst die strukturellen Rahmenbedingungen, insbesondere des sich wandelnden internationalen Finanzregimes, dar, bevor er sich den verschiedenen Akteuren des Reformdiskurses zuwendet und den Reformprozess des IWF nachzeichnet. In einer Fallstudie wird ein wesentliches Thema des Reformdiskurses aufgegriffen: die Einführung eines internationalen Insolvenzrechts. Das Scheitern dieses Reformansatzes ebenso wie die nur scheinbare Reform verschiedener IWF-Instrumente zeige, dass sich letztendlich die Interessen internationaler Kapitalanleger durchgesetzt hätten. Dem Netzwerk um den Washington Consensus, der von Netzwerkvertretern selbst als „Wall Street-Treasury-Komplex“ (269) bezeichnet werde, sei es im Endeffekt gelungen, die Interpretationshoheit im Reformdiskurs zurückzugewinnen.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 4.34.434.1 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Christian Kellermann: Die Organisation des Washington Consensus. Bielefeld: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26507-die-organisation-des-washington-consensus_30898, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30898 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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