/ 21.06.2013
Sandrine Kott / Emmanuel Droit (Hrsg.)
Die ostdeutsche Gesellschaft. Eine transnationale Perspektive
Berlin: Ch. Links Verlag 2006; 299 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-86153-417-4Der Band geht auf ein Kolloquium französischer DDR- und Ostdeutschlandforscher unterschiedlicher geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen im März 2005 in Berlin zurück. Die in der Mehrzahl jungen Autoren wurden zumeist durch das Centre Marc Bloch gefördert. Als Bindeglied zwischen den Beiträgen fungiert eine spezifische Herangehensweise: der „sozio-historische Ansatz zur Erforschung des Politischen („socio-histoire du politique“). Daraus ergeben sich, wie Kott einleitend betont, „drei wichtige heuristische Konsequenzen“: Institutionen werden in Abhängigkeit von den sie tragenden Akteurskonstellationen gedacht, also als soziale Räume, „die von Konflikten durchzogen werden und in denen sich Machtbeziehungen entwickeln.“ „Darüber hinaus werden zweitens die Akteure selbst innerhalb von sozialen und politischen Konfigurationen betrachtet, die sinngebend für ihr Handeln und ihre Erfahrungen sind.“ (21 ff.) Außerdem bilden das Verhältnis der Akteure zur Vergangenheit und die daraus resultierenden – bzw. sich darin manifestierenden – „Konstruktionen“ und „Repräsentationen“ zentrale Bezugspunkte der Analysen. Gerade diese spezifische Perspektivsetzung macht den Band für deutsche Leser interessant, da sie von den hierzulande dominierenden Forschungsansätzen abweicht. Da es sich bei den Beiträgen nicht um rein theoretische Abhandlungen, sondern größtenteils um empirische, kontextbezogene und beschreibende Feldstudien handelt, die zudem durch die häufige Schilderung individueller Sichtweisen stets lebendig präsentiert werden, ist das Buch auch für eine breitere Leserschaft empfehlenswert. Dem Verständnis der spezifisch ostdeutschen Vergangenheit, deren Auswirkungen bis heute sichtbar sind, kann die „transnationale Perspektive“ nur dienlich sein.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 2.314 | 2.315 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Sandrine Kott / Emmanuel Droit (Hrsg.): Die ostdeutsche Gesellschaft. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26797-die-ostdeutsche-gesellschaft_31263, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31263
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
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