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/ 18.06.2013
Mike Schmeitzner / Stefan Donth

Die Partei der Diktaturdurchsetzung. KPD/SED in Sachsen 1945-1952

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2002 (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung 21); 631 S.; geb., 54,- €; ISBN 3-412-07702-X
War die kommunistische Diktatur in der Sowjetischen Besatzungszone von langer Hand geplant oder entwickelte sie sich aus Fehlwahrnehmungen der Großmächte im Kalten Krieg? Diese Frage beantworten die Autoren am Beispiel des Landes Sachsen, in dem es bis 1933 mehrere "Hochburgen der Arbeiterbewegung" gab. Schwerpunkte der Darstellung bilden die Vereinigung von KPD und SPD, deren Vorgeschichte und Folgen. Die SPD verfügte 1922 in Sachsen über 170.000 Mitglieder (2001: 5.100) und hatte auch im Herbst 1945 gegenüber der KPD wieder das Übergewicht bei den Mitgliedern. In der Strategie, der Taktik und der Geschlossenheit war die SPD allerdings hoffnungslos unterlegen. Bereits vor der Vereinigung mit der KPD, deren Zwangscharakter Donth und Schmeitzner einmal mehr belegen, hatte die SPD ihre Eigenständigkeit und Handlungsfreiheit in Sachsen verloren. Eines der wichtigsten Instrumente bei der Durchsetzung der Diktatur war die Personalpolitik. Es gelang der KPD, die Schlüsselstellen in der staatlichen Verwaltung mit geschulten Kadern zu besetzen. Auch die Führungspositionen der anderen Parteien wurden nach und nach mit willfährigen Personen besetzt. Für ihre Mitglieder errichtete die Partei ein "Schulungsimperium", ein perfektes System der Kaderschulung (536). Wer nicht den Anforderungen der kommunistischen Kaderpartei genügte, fiel den seit Sommer 1948 inszenierten Massensäuberungen innerhalb der Partei zum Opfer. Spätestens 1952 war das in Moskau von der KPD entworfene Zwei-Stufen-Programm verwirklicht worden: Der erste Schritt war eine den außenpolitischen Interessen der Sowjetunion entgegenkommende "simulierte Demokratie" unter Führung der KPD, die zweite Phase eine offene kommunistische Diktatur. "Die Liquidierung der Länder und damit auch der Landesverbände der Parteien durch das SED-Politbüro und die 2. Parteikonferenz im Sommer 1952 setzte den endgültigen Schlusspunkt unter den im Mai 1945 eingeleiteten Prozess." (540) Das Werk bietet im Anhang eine umfassende Bibliografie, Kurzbiografien zahlreicher Akteure, Organigramme der Sowjetischen Militäradministration in Sachsen und der Parteien sowie statistische Übersichten zur Mitgliederentwicklung, den hauptamtlichen Mitarbeitern und den Mandatsträgern der Parteien.
Henry Krause (HK)
Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
Rubrizierung: 2.3142.331 Empfohlene Zitierweise: Henry Krause, Rezension zu: Mike Schmeitzner / Stefan Donth: Die Partei der Diktaturdurchsetzung. Köln/Weimar/Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17618-die-partei-der-diktaturdurchsetzung_20301, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20301 Rezension drucken
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