/ 18.06.2013
Julia Lossau
Die Politik der Verortung. Eine postkoloniale Reise zu einer ANDEREN Geographie der Welt
Bielefeld: transcript Verlag 2002; 227 S.; kart., 25,80 €; ISBN 3-933127-83-1Diss.; Gutachter: H. Böhm, K. Kost. - Das Buch setzt sich kritisch mit der Position Huntingtons von den konfligierenden Kulturen, aber auch mit den Positionen insbesondere derjenigen seiner Kritiker auseinander, die in zunehmender Reibung zwischen den Kulturen gerade die Chance auf kulturellen Ausgleich erblicken. Der Vorwurf der unzureichenden Definition und Begründung seines basalen Konzeptes von der civilization, mit dem sich Huntington zu Recht immer wieder konfrontiert gesehen hat, wird hier allerdings dekonstruktivistisch gewendet. So wird bezweifelt, ob tatsächlich wie selbstverständlich von der Existenz von Kultur, Gesellschaft oder Zivilisationen im Sinne Huntingtons als ontologische Einheiten ausgegangen werden kann - oder ob nicht vielmehr diese und letztlich sogar Konzepte wie Deutschland, Frankreich, Amerika und Europa erst haben erfunden und benannt werden müssen, um dann immer wieder aufs Neue reproduziert zu werden. "Das übergeordnete Ziel dieses Buches besteht darin, den Glauben an die Natürlichkeit von Welt-Bildern im allgemeinen und des neuen kulturellen Koordinatensystems im besonderen zu erschüttern - oder auch, diesen Glauben zu dekonstruieren." (15) Insbesondere der suggestive Begriff der Geopolitik gerät dabei in die Kritik der Autorin, und "eine erkenntnistheoretische Verunsicherung der Politischen Geographie" als Disziplin (17) gehört durchaus zu den zentralen Anliegen des Bandes. Unter der angelegten dekonstruktivistischen Prämisse verlangt die Autorin vom Leser nicht zuletzt die Bereitschaft zu einem "anderen" Denken, und auch die angestrebte "andere" Geographie der Welt insinuiert bereits im Untertitel des Bandes den Versuch eines Entwurfes, der sich nach allen Seiten hin abgrenzt - sowohl gegen Huntington als auch gegen seine Kritiker.
Aus dem Inhalt: 1. Etappe: Unterwegs zu einem ANDEREN Denken: Das "Eine" und das "Andere"; Das "Eigene" und das "Andere"; Inmitten vieler Widersprüche - Ein Denken des Dazwischen. 2. Etappe: Geographie ANDERS denken: Imaginative Geographien: Geographie als Diskurs; Imaginationen der Geographie: Der geographische Diskurs; "Was ist eigentlich Geographie?" - Bemerkungen aus dem Zwischen-Raum. 3. Etappe: Auf dem Weg aus der kultur-räumlichen Denkfalle: "Geopolitik" revisited: Eine erkenntnistheoretische Verunsicherung der Politischen Geographie; Welt-Ordnung vom Klassenzimmer bis zum Kanzleramt: Das Beispiel der deutschen Türkei-Politik; "The New World Disorder" - Zur (Un-)Möglichkeit einer ANDEREN Geopolitik. 4. Etappe: Auf der Suche nach einer ANDEREN Geographie der Welt: Fallstricke der Globalisierungsdebatte; Differente Verortungen, ANDERE Welt-Bilder; Global denken, lokal handeln? - Lokal denken, global handeln! Nach der Reise: Zwischen vielen Welten denken(d): Fazit: Für eine Verunsicherung des geographischen Blicks; Ausblick: Ein "Nach-der-Reise" gibt es (nicht).
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 4.1
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Julia Lossau: Die Politik der Verortung. Bielefeld: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17106-die-politik-der-verortung_19676, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19676
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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