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/ 17.06.2013
Iris Dzudzek / Paul Reuber / Anke Strüver (Hrsg.)

Die Politik räumlicher Repräsentationen. Beispiele aus der empirischen Forschung

Berlin: Lit 2011 (Forum Politische Geographie 6); 366 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-643-11582-9
Sie ist überall; durch sie wird zwischen einem Hier und Dort, zwischen „Uns“ und „den Anderen“ unterschieden; sie schafft Ungleichheiten und ist machtvoll, weil sie „Teil der hegemonialen sprachlichen und kartographischen Schubladen“ (4) ist; gleichzeitig ist sie immer schon verstanden, Teil des eigenen Denkens, „lange bevor ein kritisches Bewusstsein für deren Relativität, Relationalität und Konstruierbarkeit in uns wachsen konnte“ (4). Mit diesen Anmerkungen leiten die Herausgeber in das interessante Buch über die Politik räumlicher Repräsentation ein. Es sollte gerade auch von Politikwissenschaftlern zur Kenntnis genommen werden, wird doch die Raumthematik im aktuellen politikwissenschaftlichen Diskurs viel zu sehr vernachlässigt. Im Einführungsartikel werden die theoretischen Grundlagen für die folgenden empirischen Fallbeispiele gelegt. Die Politische Geografie wird hier mit der Kritischen Geografie und Ansätzen des Poststrukturalismus und Postkolonialismus verbunden mit dem Ziel, sich der Analyse, Dekonstruktion und Offenlegung machtvoller räumlicher Repräsentation zu widmen. Häufig greifen die Autoren auf diskurstheoretische Ansätze zurück, um hegemoniale diskursive Ordnungen aufzuzeigen und darzulegen, wie die Konstruktion von räumlicher Repräsentation funktioniert. So soll am Ende zu einem kritischen Denken angeregt werden. Nebenbei wird zudem ein knapper Überblick über die aktuellen Theoriedebatten gegeben, wobei die schon genannten Theorien ergänzt werden mit anderen, die ihren Fokus auf die Performativität und die Rolle von Praktiken legen. Diese Ansätze nutzen die Autoren in den unterschiedlichen Artikel, die inhaltlich einen weiten Bogen spannen und durchgehend lesenswert sind. Sebastian Schipper beschäftigt sich z. B. mit der Repräsentation von Raum am Beispiel der NPD und deren Europakonzeption. Diesem Europabild liege ein Denken zugrunde, dass von einem biologisch und ethnisch homogenen Volk ausgehe, das vor Feinden von außen verteidigt werden müsse. Europa wird in dieser Vorstellung im Sinne einer „völkischen Großraumordnung“ (65) repräsentiert, die durch die Bedrohung durch „raumfremde Mächte“ (66) zusammengehalten werde. Paul Reuber dagegen weist am Konflikt zwischen Russland und Georgien 2008 nach, dass in Vergessenheit geratene Verortungen aus der Zeit des Kalten Krieges aus den „historischen Archiven des geopolitischen Diskurses“ (39) geholt und damit Formen der geopolitischen Ordnung reaktiviert und verändert werden können. Reubers Artikel steht damit beispielhaft für die Notwendigkeit, sich auch den historischen Diskursen zu Repräsentationen von Räumen in der Forschung anzunehmen, da diese auch heute noch wirkmächtig sind oder wieder werden können.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.222.2632.374.32.612.622.632.672.68 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Iris Dzudzek / Paul Reuber / Anke Strüver (Hrsg.): Die Politik räumlicher Repräsentationen. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14904-die-politik-raeumlicher-repraesentationen_42442, veröffentlicht am 04.10.2012. Buch-Nr.: 42442 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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