/ 22.06.2013
Alexander Heinold
Die Prinzipientheorie bei Ronald Dworkin und Robert Alexy
Berlin: Duncker & Humblot 2011 (Schriften zur Rechtstheorie 255); 414 S.; 78,- €; ISBN 978-3-428-13515-8Rechtswiss. Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: M. Jestaedt, R. Zippelius. – Im Zentrum der Prinzipientheorie steht die Kritik am Rechtspositivismus. Gegen dessen These von der Trennung von Recht und Moral wendet sie ein, dass Rechtsregeln nur aus übergeordneten Rechtsprinzipien, die einer moralischen Wertung unterliegen, interpretiert werden können. Diese leiten sich in modernen Gesellschaften insbesondere aus den Grundrechten her. Um die Tragfähigkeit der juristischen Prinzipientheorie und die damit verbundene Kritik des Rechtspositivismus zu prüfen, vergleicht der Autor mit Alexy und Dworkin zwei namhafte Vertreter der Prinzipientheorie, die auch über die Rechtswissenschaft hinaus als prominente politische Denker geschätzt werden. Obwohl sich Alexy seit seiner „Theorie der Grundrechte“ mehrfach auf den amerikanischen Rechtsphilosophen unmittelbar positiv bezog, wendet Heinold ein, dass ein abstrakt theoretischer Vergleich beziehungsweise eine simple Übernahme einer rechtstheoretischen Position aufgrund der unterschiedlichen Rechtskulturen der beiden Autoren problematisch ist. Die Prinzipientheorie ist für ihn mit ihrer starken Akzentuierung der richterlichen Interpretation sowie des impliziten Rekurs auf eine mit Grundrechten versehene stabile demokratische Rechtsordnung maßgeblich am Common Law und der amerikanischen politischen Kultur orientiert. In der deutschen Jurisprudenz müsse sie daher entweder als Fremdkörper erscheinen oder könne nur als Rumpfkonzept übertragen werden. Ohne hier die Komplexität der zahlreichen Argumente zu erörtern, kommt Heinold zu dem Schluss, dass die Prinzipientheorie nicht den Anspruch einer allgemeinen Rechtstheorie erheben könne, da sie zwar zurecht die Interpretation als Entscheidungsmoment hervorhebe, jedoch gerade selbst nicht klären könne, wie die angeblich leitenden Rechtsprinzipien verbindlich interpretiert, geschweige denn angewendet werden können. So erscheint die Prinzipientheorie zwar als anregende, aber letztlich gescheiterte theoretische Herausforderung des Rechtspositivismus.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Alexander Heinold: Die Prinzipientheorie bei Ronald Dworkin und Robert Alexy Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33994-die-prinzipientheorie-bei-ronald-dworkin-und-robert-alexy_40742, veröffentlicht am 08.09.2011.
Buch-Nr.: 40742
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
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