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/ 19.06.2013
Stefan Roloff

Die Rote Kapelle. Die Widerstandsgruppe im Dritten Reich und die Geschichte Helmut Roloffs

München: Ullstein 2004; 375 S.; 8,95 €; ISBN 3-548-36669-4
Der „Roten Kapelle" - das ist nicht der Eigenname der Gruppe, sondern die Bezeichnung durch die Gestapo - wird immer wieder vorgeworfen, sie sei eine staatsgefährdende, sowjetisch geführte Spionageorganisation gewesen. Es handelte sich jedoch keineswegs um Agenten, und die Sowjets interessierten sich für die Widerstandsgruppe lediglich nach dem Prinzip „Der Feind meines Feindes ist mein Freund". Nur wenige der Widerstandskämpfer sahen in der UdSSR eine tatsächliche Alternative zum Nazi-Terror. Im Hauptteil der Darstellung beschreibt Roloff an der Person seines Vaters orientiert, wie die Gruppenmitglieder in das Visier der Gestapo gerieten, welche Taktiken sie wählten, um sich zu entlasten und andere nicht zu belasten. Roloff zeigt, wie das Polizei- und Justizsystem funktionierte, wie ideologisch es war und wie seine Mitglieder durch brutale Verhörmethoden und schneidige Anklagen versuchten, dem Regime ihre Treue und Professionalität zu demonstrieren. Nach dem Krieg habe dann eine kleine Positionsänderung genügt, um so die weitere Verwendung im westdeutschen Polizei- und Justizapparat einzuleiten. Die Widerstandskämpfer der Roten Kapelle gerieten in den ideologischen Strudel: In der DDR wurde die Gruppe als kommunistische Widerstandsgruppe stilisiert (was sie niemals war), im Westen wurden die Gruppenmitglieder als Kommunisten verdammt. Als Widerstandskämpfer wurden sie schlicht vergessen.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.3122.352.314 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Stefan Roloff: Die Rote Kapelle. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21430-die-rote-kapelle_25014, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25014 Rezension drucken
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