/ 11.06.2013
Krisztián Ungváry
Die Schlacht um Budapest. Stalingrad an der Donau 1944/45. Aus dem Ungarischen von Thomas Zöbelin und Zoltàn Imre
München: Herbig 1999; 504 S.; 68,- DM; ISBN 3-7766-2120-6Die Belagerung Budapests durch sowjetische Truppen dauerte insgesamt 102 Tage, ehe die deutschen Verteidiger die Stadt endgültig räumen mussten. Zum Vergleich: Berlin fiel innerhalb von 2 Wochen, Wien in 6 Tagen, der Warschauer Aufstand wurde nach 63 Tagen niedergeschlagen, in Stalingrad kämpften Rote Armee und Wehrmacht 4 Monate und Leningrad wurde 3 Jahre lang durch deutsche Truppen blockiert. In der Einschätzung deutscher Soldaten stand die Schlacht um Budapest derjenigen um Stalingrad in nichts nach. Ungvárys Darstellung ist kein simples Schlachtengemälde über Truppenverschiebungen, gegenseitiges Aufrechnen von Waffen, Material und Verlusten. Einerseits geht es dem Autor darum, "die Geschehnisse einer der blutigsten Stadtbelagerungen des Zweiten Weltkriegs zu rekonstruieren", andererseits schließt er zweifellos eine Lücke in der deutschen, ungarischen und russischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Wehrmacht und den Vernichtungskrieg im Osten seit 1941 bietet der Kampf um die ungarische Hauptstadt einen schlaglichtartigen Einblick in die rücksichtslose Kriegführung der deutschen Seiten: Während in Stalingrad der Großteil der Zivilbevölkerung evakuiert worden war, machte die deutsch-ungarische Führung in Budapest keine Anstalten, die 800.000 Zivilisten vor den Straßenkämpfen zu retten. Da die Judenverfolgung noch während der Kämpfe vorangetrieben wurde, geriet die Zivilbevölkerung von zwei Seiten ins Feuer: durch den Beschuss der Belagerer einerseits, durch die Razzien, willkürlichen Verhaftungen und Massenhinrichtungen der Belagerten andererseits. Nicht nur die jüdische Bevölkerung wurde in einem Ghetto zusammengetrieben, sondern die ungarische Pfeilkreuzlerregierung schob auch alle ausländischen Bewohner der Stadt in die Sperrgebiete ab. Schutzbriefe wurden durch die neutralen Diplomaten in Budapest ausgestellt, so wie es auch der offizielle Vertreter des World Refugee Board, Roul Wallenberg, tat. Für die Zivilbevölkerung war das Leiden nicht beendet, als die deutschen Verbände sich zurückzogen: die Rote Armee begann ihre Herrschaft in Budapest mit Plünderungen, "freien Raub" (417), wie es der sowjetische Befehlshaber nannte.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Krisztián Ungváry: Die Schlacht um Budapest. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10060-die-schlacht-um-budapest_11898, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11898
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Dr., Historiker.
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