/ 21.06.2013
Andrea Schneiker
Die Selbst- und Koregulierung privater Sicherheits- und Militärfirmen
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Demokratie, Sicherheit, Frieden 193); 237 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-4534-3Politikwiss. Diss. Münster; Gutachter: R. Meyers. – Spätestens seit dem Krieg im Irak ist die Existenz privater Militär- und Sicherheitsfirmen (PMS) ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt. Diese Firmen rekrutieren ihr Personal in erster Linie aus ehemaligen Militärs und bieten ein komplettes Dienstleistungsangebot an: Bewachung von Gebäuden, Personenschutz, strategische Planung, militärische Ausbildung und Beratung, logistische Unterstützung, technologische Expertise, Informationsbeschaffung, Kampfoperationen etc. Der stetige Anstieg der Branche wirft jedoch auch zahlreiche Fragen, vor allem völkerrechtlicher Natur, auf. Auch ist es bei den Einsätzen dieser Firmen immer wieder zu Straftaten und gar schweren Menschenrechtsverletzungen gekommen. Da es an effektiver staatlicher Kontrolle und Regulierung mangelt, bleiben derartige Verstöße jedoch meist ungeahndet. Nun haben sich einzelne PMS und deren Verband IPOA eigene Verhaltenskodizes gegeben, entweder firmenintern, firmenübergreifend im Rahmen der IPOA oder im Falle Bosnien-Herzegowinas unter Einbeziehung der Auftraggeber der lokalen Regierung, der EU und von Nichtregierungsorganisationen. Im Rahmen dieser Studie werden diese Verhaltenskodizes zunächst vergleichend analysiert um herauszufinden, welche Bestimmungen in ihnen enthalten sind und welche Aspekte überhaupt regulierungsrelevant gewesen sind. Dann wird die Selbst- und Koregulierung von PMS in ein Konzept von Governance im Sicherheitsbereich integriert und mit der Frage der Regelungsreichweite verknüpft. Im Fazit ist die Autorin eher skeptisch: Auf internationaler wie nationaler Ebene fehle es weitgehend an entsprechenden Regelungen bzw. diese seien nicht anzuwenden. Der brancheninterne IPOA-Kodex sei an vielen Stellen zu vage formuliert und enthalte kaum konkrete Handlungsanweisungen. Und schließlich diagnostiziert die Autorin auch beim untersuchten Sarajevo-Verhaltenskodex weitgehende Wirkungslosigkeit.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.41 | 2.21 | 2.263 | 2.63 | 2.61 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Andrea Schneiker: Die Selbst- und Koregulierung privater Sicherheits- und Militärfirmen Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31229-die-selbst--und-koregulierung-privater-sicherheits--und-militaerfirmen_37146, veröffentlicht am 16.03.2010.
Buch-Nr.: 37146
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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