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/ 17.06.2013
Rolf-Ulrich Kunze

Die Studienstiftung des deutschen Volkes seit 1925. Zur Geschichte der Hochbegabtenförderung in Deutschland

Berlin: Akademie Verlag 2001 (edition bildung und wissenschaft 8); X, 418 S.; geb., 64,80 €; ISBN 3-05-003638-9
Geschichtswiss. Habilitationsschrift Mainz; Gutachter: W. Altgeld. - Eine Geschichte der Studienstiftung steht bisher aus, und auch innerhalb der Stiftung scheinen gegenüber einem starken Gegenwartsbezug Geschichte und Traditionsbewusstsein weder für die Legitimation ihrer Tätigkeit noch für die alltägliche Arbeit selbst eine tragende Rolle zu spielen - so der Autor. Kunze beleuchtet die Entwicklung der Studienstiftung von verschiedenen Blickwinkeln aus: Ihre Geschichte lasse sich gleichermaßen als Studenten-, als Wissenschafts-, oder als Mentalitätsgeschichte schreiben, ebenso wie sich in ihr auch die Geschichte des sozialen Wandels im engeren Sinn und insbesondere die Geschichte ihrer eigenen Reaktion auf den Elitenbildungsvorwurf widerspiegele. Gegen die meist ungerechtfertigte Gleichsetzung von Hochbegabtenförderung und Elitenbildung stellt Kunze die Leitfrage der Arbeit: Was verstand die Studienstiftung unter "Hochbegabung" und wie setzte sie dieses Verständnis in Auswahl und Förderung um? Er will zu einer weniger vorurteilsbelasteten Debatte über Hochbegabung beitragen, indem er ihre Förderung als eine völlig normale Funktion innerhalb einer demokratischen Leistungsgesellschaft darstellt. Dabei ist seine Arbeit weder bloße Institutionenkunde noch sozialgeschichtliche Längsschnittstudie. Vielmehr untersucht sie die Hochbegabtenförderung am Beispiel der Studienstiftung als ein strukturgeschichtliches Problem. Sie stützt sich in erster Linie auf archivalische Quellen, die sich im Interesse der Anschaulichkeit auch ausführlich im Text niederschlagen. Inhaltsübersicht: I. Die deutschen Studenten und die Folgen des Ersten Weltkrieges: Die Not der Nachkriegszeit; Die Gründung der Studienstiftung des deutschen Volkes; Studienstiftler der ersten Stunde; Grundprobleme von Organisation und Finanzierung. II. Aufbaujahre und entstehende Krise: Studienstiftung und deutsche Republik. Die Studienstiftler und ihr Selbstverständnis; Die Studienstiftung und ihre Auswahlkriterien: Professionalisierung der Auswahl und des Förderungsmanagements; Probleme defensiver Modernisierung durch 'Elitenwechsel'; Die Studienstiftung und die Folgen der Weltwirtschaftskrise; Das Ende von Weimar: Demokratische Elite oder politische Indifferenz? III. Die nationalsozialistische Herrschaft und das Ende der Studienstiftung: Gleichschaltung: "Ein brauchbares Hilfsmittel des nationalsozialistischen Staates"; Widerstand gegen die Gleichschaltung der Studienstiftung 1933: Hans Rothfels, Hans von Soden, Eugen Gerstenmaier; Studienstiftler und die Gleichschaltung: zwei Beispiele; Die Gründung des 'Reichsstudentenwerks' 1934 und die nationalsozialistische Begabtenförderung; Von der Studienstiftung zur 'Reichsförderung': Elite, Rassismus, Krieg und finis Germaniae. IV. 'Hochbegabten'-Förderung von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bis zu den gesellschaftlichen Krisen und Reformen der 1960er Jahre: Die Neugründung der Studienstiftung 1948: Hintergründe, Akteure, Konzepte; 'Hochbegabten'-Förderung der 'skeptischen Generation' und NS-Vergangenheit: die 1950er Jahre; Reformperspektiven der 1960er Jahre und die Folgen von '1968'. V. Wissenschaftliche 'Hochbegabungs'-Diagnostik, empirische Begabungsforschung und neue Gemeinschaftsbildung: die Experimente der 1970er, die Anpassungen der 1980er und die Herausforderungen der 1990er Jahre: Die elitekritischen 1970er Jahre; Die 1980er Jahre: Differenzierung des Förderangebots; Die 1990er Jahre: nach der Einheit, in der Globalisierung und vor der zweiten Bildungsreform?
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.312.343 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Rolf-Ulrich Kunze: Die Studienstiftung des deutschen Volkes seit 1925. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15448-die-studienstiftung-des-deutschen-volkes-seit-1925_17591, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17591 Rezension drucken
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