/ 11.06.2013
Helmut Wiesenthal
Die Transformation der DDR. Verfahren und Resultate
Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 1999; 93 S.; brosch., 18,- DM; ISBN 3-89204-845-2Der Autor, von 1992 bis 1996 Leiter der Max-Planck-Arbeitsgruppe "Transformationsprozesse in den neuen Bundesländern" an der Humboldt-Universität Berlin, will Verfahren und Resultate der deutschen Einigung aus "einer betont distanzierten und vergleichenden Perspektive" (9) darstellen. Die in der einschlägigen Debatte anzutreffende Sicht, aufgrund der politisch-institutionellen Besonderheiten handele es sich bei der deutschen Einigung um einen einzigartigen Vorgang, hält Wiesenthal für "irreführend" (14). Vielmehr mache eine vergleichende Betrachtung der ostdeutschen Transformation als - wenn auch abweichenden - "Fall unter mehreren" (14) Erkenntnisse allgemeiner Transformationsprobleme zugänglich und übertragbar (75 ff.). Nach einem kurzen Abriss der spezifischen Beitrittssituation (17 ff.) wird der Transformationsprozess jeweils unter politischen (25 ff.), ökonomischen (35 ff.) und kulturellen Aspekten (67 ff.) resümiert. Die vergleichende Perspektive erlaubt Wiesenthal auch bemerkenswerte Distanzierungen gegenüber dem Selbstbild beteiligter Akteure. Das betrifft einerseits die westdeutschen politischen Eliten - sie seien in einem hohen Maße der populistischen Versuchung erlegen, im Interesse des Machterhalts "die längerfristigen Kosten ihres Handelns unangemessen zu diskontieren" (79). Und das gilt andererseits für den zumal von ostdeutscher Seite erhobenen Vorwurf einer (westdeutschen) "Fremdsteuerung" des Prozesses: Die sogenannte "Kolonialisierungsthese" beruhe hauptsächlich auf dem Umstand, dass in Ostdeutschland eher als in anderen Transformationsländern "die Kausalbeziehung zwischen dem Ausgangszustand und den Schwierigkeiten des Übergangs des öfteren ausgeblendet; der Anteil der vergangenheits- und prozeßbedingten Transformationsprobleme [...] dementsprechend oft unterschätzt" (66) werde.
Inhalt: 2. Konturen der Transformation durch Beitritt; 3. Grundlinien der politisch-institutionellen Transformation; 4. Die ökonomische Transformation: 4.1 Die Wirtschafts- und Währungsunion - ein Musterfall der Schocktherapie?; 4.2 Unsicherheit und hilfreiche Mythisierungen im Einheitsprozeß; 4.3 Die "politische Logik" der Geringschätzung ökonomischer Risiken; 4.4 De-Industrialisierung - eine Konsequenz der Privatisierungspolitik?; 4.5 Der Wirtschaftskollaps folgte einer "self-fulfilling prophecy". 5. Funktion und Gewicht der externen Akteure: 5.1 Die spezifische Schwäche der ostdeutschen Bürgerbewegung; 5.2 Zur "Arbeitsteilung" zwischen externen Akteuren und Transformationsgesellschaft; 5.3 Eine Bilanz der "Fremdsteuerung". 6. Der politisch-kulturelle Sonderstatus der neuen Länder; 7. Bilanz der Befunde: 7.1 Aspekte der Wirtschaftstransformation; 7.2 Aspekte der po1itisch-institutionellen Transformation; 7.3 Aspekte der politisch-kulturellen bzw. gesellschaftlichen Transformation; 7.4 Aspekte der Prozeßsteuerung; 7.5 Wurden praktikable Alternativen ausgeschlagen oder vermeidbare Fehler begangen?; 7.6 Erfahrungen aus einem extremen Fall der externen Unterstützung.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.315 | 2.2 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Helmut Wiesenthal: Die Transformation der DDR. Gütersloh: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11357-die-transformation-der-ddr_13463, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13463
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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