/ 22.06.2013
Slavoj Žižek
Die Tücke des Subjekts. Aus dem Englischen von Eva Gilmer, Andreas Hofbauer, Hans Hildebrandt und Anne von der Heiden
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2010 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1961); 548 S.; 18,- €; ISBN 978-3-518-29561-8Der slowenische Philosoph Žižek stellt „die brennende Frage“, wie man „ein linkes, antikapitalistisches Projekt neu formulieren kann“ (10) – ohne allerdings dabei allzu utopische Vorstellungen zu hegen: „capitalism is here to stay“ (302). Allerdings sieht Žižek in diesem Vorgängerband zu „Auf verlorenem Posten“ (2009, siehe Buch-Nr. 35853) den Kapitalismus gleichbedeutend mit dem Ende der Politik. Es würden nur noch partikulare Anliegen betrieben, die globale Gesellschaft sei in Minderheiten und Gruppen zerfallen. Und deren Anerkennung – egal welche Ziele sie verfolgten – sei geradezu rassistisch: Die Distanz bleibe stets gewahrt. Žižek aber plädiert für eine Orientierung an einem universalen, unteilbaren politischen Raum. Die Linke habe daher keine neutrale Position zu akzeptieren und den antagonistischen Charakter der Gesellschaft zu erkennen – sie habe „im Namen einer universalen Emanzipation“ (310) zu sprechen. Wie aber und vor allem von wem ist diese zu definieren? Auf der Grundlage der „cartesianischen Subjektivität“ (7), meint Žižek. „Cogito“ (8) lautet daher sein Leitbegriff, den er seiner Ansicht nach gegen praktisch alle gegenwärtigen Denkrichtungen zu verteidigen habe. Die Front seiner Gegner reiche von den Kognitionswissenschaftlern bis zu Habermas. Žižek beginnt diese Subjektivität unter Zuhilfenahme des Deutschen Idealismus zu umkreisen und in seiner Auseinandersetzung mit Kant und Hegel erhellt sich, unter welchen nicht unbedingt leicht zu durchschauenden Prämissen sich der Einzelne seine Welt zusammensetzt. Die seitenlange Abarbeitung an Heidegger ist dagegen kaum ergiebig. Dann stehen vier Philosophen im Mittelpunkt, die von Althusser ausgehend ihre eigenen Theorien der politischen Subjektivität entwickelten: Laclan, Balibar, Rancière und Badiou. Žižek findet bei ihnen aber vor allem viele unfertige Gedanken. Auch widerspricht er der Theorie der Risikogesellschaft, die die universale Emanzipation aus dem Blick verloren habe, mit Freuds Psychoanalyse und den Texten Butlers über Subjekt und Selbsterkenntnis. Spannend zu lesen und konkret fassbar sind aber auch die Schlussfolgerungen aus seinem eigenen, oppositionellen Verhalten in Jugoslawien. Hier wurzelt die Überzeugung, dass sich im Idealfall aus einer partikulären Forderung eine „umfassende[.] Restrukturierung des gesamten politischen Raumes“ (287) ableiten lässt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Slavoj Žižek: Die Tücke des Subjekts. Frankfurt a. M.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32712-die-tuecke-des-subjekts_39052, veröffentlicht am 21.09.2010.
Buch-Nr.: 39052
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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