Skip to main content
/ 17.06.2013
Jürgen Maruhn / Manfred Wilke (Hrsg.)

Die verführte Friedensbewegung. Der Einfluss des Ostens auf die Nachrüstungsdebatte

München: Olzog 2002; 255 S.; pb., 14,90 €; ISBN 3-7892-8069-0
Welchen Einfluss nahm die SED auf die westdeutsche Friedensbewegung? Und "wie gelang es ihr, die Stoßrichtung der westdeutschen Friedensbewegung so zu beeinflussen, dass die Frage nach der von den Sowjets produzierten Ursache der Drehung der Rüstungsspirale auf dem Mittelstreckensektor weitgehend ausgeblendet werden konnte?" (14) Diese Fragen wollen die Autoren des Sammelbandes beantworten und dabei einen Mosaikstein in der Beschreibung der Friedensbewegung während der Nachrüstungsdebatte zeigen, mit dem das Gesamtbild der Wirklichkeit aber nicht zu verwechseln sei. Wie schwierig der konkrete Nachweis der Einflussnahme ist, zeigt sich unter anderem daran, dass es nach wie vor keine verlässlichen Zahlen über die inoffiziellen Mitarbeiter im Westen gibt, geschätzt werden 20000 bis 30000. Ebenso wenig wurden geschlossene Aktenvorgänge gefunden, sodass eine "umfassende und systematische Untersuchung der Einflussnahme des MfS auf die Friedensbewegung nicht möglich ist" (172). Aber die SED hat sich nicht nur des MfS bedient. Bekannt sind mittlerweile Einflussnahmen beispielsweise über Organisationen und Geldleistungen, mit denen zum Teil erheblich in die öffentliche Diskussion eingegriffen wurde. Das Fazit lautet deshalb, dass ein Teilbereich der westdeutschen Friedensbewegung von der SED gesteuert war (214). Darüber hinaus wird für die außerparlamentarische Friedensbewegung festgehalten, dass sie die komplizierten Zusammenhänge der Außen- und Sicherheitspolitik und die Interessenlagen der Supermächte auf das Für oder Wider weiterer westlicher Atomraketen reduzierte. Zur Abrüstung tatsächlich beigetragen habe dann aber eben doch der bekämpfte NATO-Doppelbeschluss. Inhalt: Alice Holmes Cooper: Fünf Dekaden deutscher Friedensbewegung (25-47); Josef Klein: Zur Semantik der Nachrüstungsdebatte (49-65); Udo Baron: Das KOFAZ, die "Grünen" und die DKP in der Friedenskampagne. Kommunistische Bündnispolitik im Zusammenhang mit dem NATO-Doppelbeschluss (67-95); Michael Ploetz: Die Rolle des DDR-"Friedensrates" in der SED-Kampagne (97-122); Jochen Staadt: Die SED und ihre "Generale für den Frieden" (123-140); Günther Wagenlehner: Die Auseinandersetzung der PSV der Bundeswehr mit der "Friedensbewegung" (141-165); Hubertus Knabe: MfS und Friedensbewegung (167-214); Michael Ploetz / Hans-Peter Müller: Friedensbewegung in Ost und West. Zeitleiste 1969-1987 (215-255).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3312.3132.3144.214.224.41 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jürgen Maruhn / Manfred Wilke (Hrsg.): Die verführte Friedensbewegung. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16305-die-verfuehrte-friedensbewegung_18717, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18717 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA