/ 21.06.2013
Rebecca Pates / Daniel Schmidt
Die Verwaltung der Prostitution. Eine vergleichende Studie am Beispiel deutscher, polnischer und tschechischer Kommunen
Bielefeld: transcript 2009; 231 S.; 24,80 €; ISBN 978-3-8376-1117-5Der Markt für sexuelle Dienstleistungen unterliegt in vielfältiger Weise der Regulierung durch – zumeist kommunale – Verwaltungen, wie beispielsweise Ordnungs-, Gesundheits-, Gewerbe- und Bauämter sowie die Polizei. Darüber hinaus leisten verschiedene NGOs Aufklärungs- und Beratungsarbeit. Im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Polen und Tschechien finden zudem grenzüberschreitende Verwaltungsprozesse und Kooperationen statt. Dabei treffen unterschiedliche Verständnisse von Prostitution und entsprechend divergierende Handlungsrationalitäten aufeinander. Lokale Behörden und ihre Angestellten „regulieren die Prostitution anhand ihrer je eigenen Problemdefinitionen, Kategorisierungen und Wissens(be)stände“ (8). Dieses Verwaltungswissen, verwaltungsinterne Diskurse über Prostitution und über die eigene Verwaltungstätigkeit, stehen im Mittelpunkt dieser staatsethnografischen Studie, die aus einem Forschungsprojekt der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie an der Universität Leipzig hervorgegangen ist. Die Untersuchung folgt der Annahme neuerer Verwaltungstheorien, wonach lokales administratives Handeln als produktiv und teilautonom verstanden wird. Auf der Grundlage explorativer Interviews wird anhand von Fallstudien das Zusammenspiel von Recht, Regulierung und Interpretationen der Beteiligten in den drei Ländern analysiert. Die Autoren unterscheiden vier Fragekomplexe: Wie werden die jeweilige Situation und der Handlungsbedarf definiert? Wie und warum werden Klassifizierungen vorgenommen? Auf welchem Wissen beruht das Handeln der Verwaltungsangestellten? Welche Konsequenzen resultieren aus der Interpretation und dem Wissen der Akteure? Im Ergebnis bestätigt sich die Annahme einer weitgehend autonomen Verwaltung der Prostitution: „Die Quelle des Rechts ist nicht das Gesetz und auch nicht die Rechtsprechung; Recht wird durch administratives Handeln produziert.“ (20)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.263 | 2.61 | 2.343 | 2.21 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Rebecca Pates / Daniel Schmidt: Die Verwaltung der Prostitution. Bielefeld: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30560-die-verwaltung-der-prostitution_36291, veröffentlicht am 10.06.2009.
Buch-Nr.: 36291
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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