/ 18.06.2013
Fritz Wallner
Die Verwandlung der Wissenschaft. Vorlesungen zur Jahrtausendwende. Hrsg. von Martin J. Jandl
Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2002 (Constructiviana 1); 262 S.; 85,- €; ISBN 3-8300-0584-9Wallner macht am Ende des 20. Jahrhunderts einen grundsätzlichen Wandel im Verständnis von Möglichkeiten, Grenzen und Sinn der Wissenschaft aus. Gestützt auf Aristoteles, "der die Grundlagen der philosophischen Empirie gesetzt hat" (9), lässt er den Leser entlang dieses Verständnisses an seiner Suche nach der Möglichkeit gesicherter Erkenntnis teilnehmen. Gesicherte Erkenntnis hat demnach immun gegen den infiniten Begründungs-Regress und vor allem bewusstseinsunabhängig zu sein. Insofern sei etwa Kant mit seiner Kritik der Metaphysik nicht weit genug gegangen. Auch er habe sich vielmehr in der Frage der Begründung wissenschaftlicher Erkenntnis "von der Psychologie einfangen [...] lassen" (16). So sei dessen "Unterscheidung zwischen 'außen' und 'innen' [...] eine psychologische Unterscheidung, [...] die als 'empirisch verseucht' bezeichnet werden kann" (14). Anstelle einer ausführlicheren Kritik möge diese Passage zur Illustration des (im gesamten Band durchgehaltenen) Reflexionsniveaus genügen.
Aus dem Inhalt: 1. Fragestellung und Problemfelder der Wissenschaftstheorie: Normativitäts- und Deskriptivismusfalle; Über Theorie und Praxis - Einsicht und Verwirklichung von Einsicht; Der unendliche Regress in der Wissenschaftsdisziplin - Wissenschaftstheorie als Metasprache; Denken: selbstreferentiell, fallibel und historisch. 2. Wissenschaftstheorie als hermeneutische Reflexionsdisziplin: Vom europäischen Wahrheitsideal zur Interdisziplinarität; Philosophie und Wissenschaft - Verstehen und Instrumentalismus; Der Wandel wissenschaftlicher Theorien: Popper versus Kuhn; Von Platons Wahrheitsprogramm zum Konstruktiven Realismus. 3. Positionierung des Konstruktiven Realismus: Konstruktivismus in der Kunst - Konstruktivismus und Konstruktionismus; Die beiden Aspekte von Arbitrarität. 4. Der Konstruktive Realismus: Die Ontologie des Konstruktiven Realismus; Verfremdung als Erkenntnismethode. 5. Entwicklung eines neuen Wissenschaftsverständnisses von Psychologie und Psychoanalyse: Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft. Differenzen und Ähnlichkeiten in der Mikrowelt-Konstruktion; Ein neues Verständnis der Wissenschaftlichkeit von Psychoanalyse.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.2
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Fritz Wallner: Die Verwandlung der Wissenschaft. Hamburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18219-die-verwandlung-der-wissenschaft_21064, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21064
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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