Skip to main content
/ 18.06.2013
Detlef Bald

Die "Weiße Rose" Von der Front in den Widerstand

Berlin: Aufbau-Verlag 2003; 203 S.; geb., 18,- €; ISBN 3-351-02546-7
Im Zentrum des Bandes stehen die Beobachtungen und Erfahrungen der Kernmitglieder der Gruppe „Weiße Rose" (mit Ausnahme von Sophie Scholl) als Sanitätssoldaten an der Ostfront im Jahr 1942. Anhand der überlieferten Briefe und Tagebücher sowie insbesondere durch Auswertung der umfangreichen, von der Gestapo für die Gerichtsverfahren 1943 angefertigten Vernehmungsprotokolle aus dem Bestand des Bundesarchivs Berlin zeigt der Autor, wie die Beobachtung von Zerstörung und Besatzung sowie das Erlebnis des sinnlosen Todes deutscher Soldaten die Mitglieder der „Weißen Rose" radikalisierte. Von der Forschung zum deutschen Widerstand bislang weitgehend vernachlässigt, scheinen dem Autor die Fronterfahrungen der jungen Medizinstudenten (mit dem Aufenthalt an der Ostfront absolvierten sie das notwendige studienbegleitende Praktikum) der Schlüssel zum Verständnis, warum die „Weiße Rose" in ihren Flugschriften des Winters 1942/43 vom Aufruf zum passiven Widerstand überging zur Forderung nach dem Umsturz des NS-Regimes. Der Schwerpunkt des Bandes liegt auf der Dokumentation und textkritischen Interpretation der zum überwiegenden Teil bisher unveröffentlichten Quellen. Der Autor nimmt aber auch zu den „ambivalent[en] und interessegeleitet[en]" Interpretationen (9) des Widerstands der „Weißen Rose" Stellung, eine Rezeption, die zur Entpolitisierung und Romantisierung der Gruppe und ihrer Aktionen tendiere.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Detlef Bald: Die "Weiße Rose" Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18702-die-weisse-rose_21696, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21696 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA