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/ 11.06.2013
Pavel Kouba

Die Welt nach Nietzsche. Eine philosophische Interpretation

München: Wilhelm Fink Verlag 2001; 238 S.; kart., 29,65 €; ISBN 3-7705-3520-0
Diese Nietzsche-Interpretation hebt gezielt auf dessen Widersprüchlichkeit ab - insbesondere auf die Widersprüche, die sich aufgrund der Entwicklung seines Denkens ergeben. Der Autor bestreitet die Möglichkeit einer systematischen Nietzsche-Auslegung. Es sei vielmehr Aufgabe einer Nietzsche-Interpretation zu zeigen, "wie die zusammenhängende Un-Einheitlichkeit [seines] Werks entsteht, und vor allem, was sie bedeutet, worin ihre sachliche Notwendigkeit besteht" (13). Dabei meint Kouba mit der "sachlichen Bedeutung" die Brüche in Nietzsches Denken, ihre "Bedeutung für uns" (11, Hervorhebung vom Autor) - hinter diesen Brüchen verberge sich trotz allem ein in sich stimmiges Konzept der Welt, das es noch immer herauszuschälen gelte. Sein Ziel ist daher eine Art "Phänomenologie der Sinnverwandlungen" (13) vermittels derer sich die Zusammengehörigkeit der doppeldeutigen Elemente in Nietzsches Denken philosophisch gewinnbringend nachvollziehen lasse. Tatsächlich ist für Kouba der überhaupt "einzig ernsthafte Grund zur Interpretation: die Möglichkeit, aus dem Werk ein Weltverständnis zu gewinnen, das wir bis jetzt nicht hatten und das uns fehlte" (13). Angesichts solcher Erwartungen an Nietzsches Werk überraschen allerdings Passagen wie die folgende: "Nietzsche übernimmt viele Begriffe, Gesichtspunkte und andere gedankliche Mittel seiner Zeit (sowie der vorangehenden Überlieferung) oft leichtfertig, mitsamt ihren Beschränktheiten und Unklarheiten; auch seine eigenen Begriffe und Gedanken sind manchmal ungenau, und mehr als eine Unstimmigkeit in den Texten ist seiner Sorglosigkeit zuzuschreiben." (12) Das Buch wurde in der tschechischen Fassung 1995 als Habilitationsschrift an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität Prag angenommen. Einige Abschnitte wurden auch auf Deutsch bereits veröffentlicht. Inhalt: I. Das tragische Denken: 1. Das Ideal der tragischen Gesinnung; 2. Der Anfang des tragischen Denkens; 3. Die vergängliche Ewigkeit; 4. Exkurs über den Sinn. II. Die Moral: 1. Zwei Wertungsarten; 2. Zwei Moralen; 3. Die Optik des Lebens; 4. Die moralische Weltdeutung. III. Christentum und Nihilismus: 1. Der Immoralismus Jesu und die Moral des Paulus; 2. Der christliche Begriff des Lebens; 3. Der Nihilismus; 4. Exkurs über das Heidentum. IV. Die Wahrheit: 1. Die Gestalten der Wahrheit: Illusion und Chaos; 2. Die Untrennbarkeit von Wahrheit und Unwahrheit; 3. Der Perspektivismus; 4. Die Unterscheidbarkeit von Wahrheit und Unwahrheit. V. Der Wille zur Macht: 1. Die Stärke und die Macht; 2. Die Freiheit der Macht; 3. Die Ungegründetheit des politischen Seins; 4. Die Macht der Welt.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Pavel Kouba: Die Welt nach Nietzsche. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9354-die-welt-nach-nietzsche_15742, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15742 Rezension drucken
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