/ 17.06.2013
John Holloway
Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen. Übersetzt von Lars Stubbe
Münster: Westfälisches Dampfboot 2002; 255 S.; kart., 24,80 €; ISBN 3-89691-514Einerseits, so scheint es, ist der allgegenwärtige Sieg des Kapitalismus beschlossene Sache, andererseits jedoch signalisieren die immer wieder aufflammenden Proteste ganz unterschiedlicher Akteure - wie etwa der von Attac -, die Proteste in Argentinien oder Venezuela oder auch eine individuell scheinende Verweigerungshaltung etwas anderes. Der Autor diagnostiziert ein gigantisches Widerstandspotenzial gegen kapitalistische Systeme: "[E]in Schrei der Trauer, ein Schrei des Entsetzens, ein Schrei des Zorns, ein Schrei der Verweigerung: NEIN." (10) Doch das Leben, das Denken, das Sein auch im Protest ist durchdrungen von der Macht, wie auch umgekehrt - so eine der zentralen Thesen Holloways - die Macht und der Kapitalismus in ihrem Innersten durchdrungen sind von diesem Nein, der Anti-Macht. In einem fast schon blumig zu nennenden, sehr leicht verständlichen Stil, in dem verschiedene theoretische (insbesondere marxistische) Ansätze virtuos mit individuellen Erfahrungen des Einzelnen verknüpft werden, entwickelt der Autor diese Gedanken weiter, ohne allerdings die Frage nach einer Revolution ohne Machtübernahme beantworten zu können. Doch dies sei auch weniger entscheidend als die Tatsache des Protestes und die Suche nach Alternativen überhaupt, so Holloway abschließend, "weil das Fragen nach dem Weg Teil des revolutionären Prozesses selbst ist" (248).
Inhaltsübersicht: 1. Der Schrei; 2. Überwindung des Staates?; 3. Überwindung der Macht?; 4. Der Fetischismus: Das tragische Dilemma; 5. Fetischismus und Fetischisierung; 6. Anti-Fetischismus und Krieg; 7. Die Tradition des wissenschaftlichen Marxismus; 8. Das kritisch-revolutionäre Subjekt; 9. Die materielle Wirklichkeit der Anti-Macht; 10. Die materielle Wirklichkeit der Anti-Macht; 11. Revolution?
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 5.43 | 5.42 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: John Holloway: Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen. Münster: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16819-die-welt-veraendern-ohne-die-macht-zu-uebernehmen_19326, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19326
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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