/ 21.06.2013
Jacques Attali
Die Welt von morgen. Eine kurze Geschichte der Zukunft. Aus dem Französischen von Caroline Gutberlet
Berlin: Parthas 2008; 248 S.; brosch., 19,80 €; ISBN 978-3-86601-027-7Ein düsteres Buch über die Zukunft hat Attali, Ökonom und langjähriger Berater von Mitterrand, geschrieben – und prophezeit trotzdem etwas ganz anderes als den Weltuntergang. Sein Glaube an eine bessere Welt speist sich aus seiner Wahrnehmung der Menschheitsgeschichte: „Von Jahrhundert zu Jahrhundert hat die Menschheit das Primat individueller Freiheit über alles andere gestellt.“ (12) Die Geschichte der Menschheit als die der Herausbildung des Individuums als Rechtssubjekt sei einhergegangen mit einer zweiten Entwicklung, die ihrer eigenen zwingenden Logik folge: die Ausdehnung des Marktes – mit bisher positiven Konsequenzen. „Die Handelsfreiheit trug schrittweise zur Entwicklung der politischen Freiheit bei“ (13). Nach einem Überblick über die Geschichte des Kapitalismus, wobei das jeweilige wirtschaftliche Zentrum einer Epoche im Mittelpunkt steht (gegenwärtig: Los Angeles), und der Aussicht auf die weltweite Durchsetzung der Marktdemokratie in naher Zukunft, stellt Attali die Frage, was dann zu erwarten sei – denn die Geschichte werde auch nach der Demokratisierung aller Staaten nicht zu Ende sein. Diese Welt, die Attali „Hyperimperium“ (150) nennt, werde sich um 2050 vielmehr „als eine Welt mit extremen Ungleichgewichten und immensen Widersprüchen präsentieren“ (185). Auch der über den gesamten Globus ausgedehnte Markt werde nicht in der Lage sein, die Armut zu beseitigen, und sich damit seine Legitimität selbst entziehen. „Das Hyperimperium wird stranden“ (187). Für die zweite Zukunftswelle schließt Attali einen „Hyperkonflikt“ (188) nicht aus. Es werde Kriege um Erdöl und Wasser geben, Kriege zwischen Piraten und Sesshaften, Grenzkriege und zerfallene Staaten, europäische Demokratien könnten sich in Theokratien verwandeln. Attali glaubt aber nicht, dass die Menschheit so ihre Geschichte beenden wird. Die Demokratien würden schließlich so viel Tatkraft entfalten, dass sie eine neue globale Ordnung herstellten. „Eine weltumspannende soziale Demokratie wird sich einrichten, die die Macht des Marktes einschränkt.“ (224). Der einzelne Mensch werde dann frei sein.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2 | 2.23 | 5.42 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jacques Attali: Die Welt von morgen. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28874-die-welt-von-morgen_34080, veröffentlicht am 11.09.2008.
Buch-Nr.: 34080
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