/ 20.06.2013
Tom Levine
Die Windsors. Glanz und Tragik einer fast normalen Familie
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005; 315 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-593-37763-2Die aktuelle Stellenbeschreibung für einen britischen Monarchen stamme aus dem Jahre 1917, schreibt der Journalist Levine. Damals habe der Königliche Privatsekretär das Königtum als „PR-Abteilung des Königreichs“ (93) definiert, das nach innen wie außen Werbung für den Staat zu machen habe. Und tatsächlich scheint es den Monarchen allen Krisen zum Trotz immer wieder gelungen zu sein, für den inneren Zusammenhalt der britischen Gesellschaft zu sorgen. So jedenfalls beschreibt es Levine für die Zeit von 1837 bis 2005. Seine Recherchen wurden, wie er dankenswerter Weise im Anhang erwähnt, von königlichen Pressestellen unterstützt. Mit überflüssigem Klatsch und Tratsch hält sich der Autor zurück und porträtiert die Monarchen seit Queen Victoria vor allem mit Blick auf die Art und Weise, wie sie ihre Rolle ausübten. Dabei zeigt sich, dass sich die Monarchie fast unmerklich, aber dennoch nachweisbar den gesellschaftlichen Entwicklungen anpasste – bis zu dem „dramatische[n] Erscheinen von Mitgliedern der Königlichen Familie als Persönlichkeiten“ (234), wie Levine einen anderen Biografen der Königin zitiert. Anlass war ein 1969 gesendeter BBC-Dokumentarfilm über die Königliche Familie, der bis dahin nie gesehene Einblicke bot. Trotz ihrer vorrangigen PR-Aufgaben konstatiert Levine keinen völlig entpolitisierten Status der Monarchen, immer wieder hätten sie beratend Einfluss zu nehmen gewusst. Auch um die Zukunft der Monarchie macht sich der Autor keine Sorgen, liege sie doch im Interesse eines jeden Premierministers, gleich welcher Partei: Die Vorrechte des Königs oder der Königin, zu denen u. a. gehöre das Parlament aufzulösen, Neuwahlen anzusetzen oder den Krieg zu erklären, seien tatsächlich die „Macht des Premierministers“ (291). Tony Blair habe deshalb ohne eine Mehrheit in der eigenen Partei dem Irak den Krieg erklären können. „Das macht ihn einzigartig mächtig unter den Führern der westlichen Welt“ (291).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.1 | 2.24
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Tom Levine: Die Windsors. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24706-die-windsors_28549, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28549
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