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/ 20.06.2013
Tilo Schabert

Die zweite Geburt des Menschen. Von den politischen Anfängen menschlicher Existenz

Freiburg i. Br./München: Verlag Karl Alber 2009; 192 S.; kart., 26,- €; ISBN 978-3-495-48301-5
Gemeinhin wird der Beginn von Politik mit dem Bilden von Gemeinschaften gleichgesetzt. Schabert argumentiert jedoch hoch komplex aus transkultureller Perspektive anhand mythischer, philosophischer, religiöser und politiktheoretischer Texte der europäischen, amerikanischen, arabischen und chinesischen Zivilisationen für einen Beginn des Politischen mit der menschlichen Existenz selbst. Die analytische Klarheit bleibt dabei aufgrund des assoziativen Gehalts der Sprache zurück. Das Politische in seiner kosmologischen Vorkommnis beginnt nach Schabert mit der kreatürlichen Geburt des Menschen; er bezeichnet sie als erste Geburt. Da zu sein bedeute, etwas zu sein, so bedeute es folglich auch verschieden von den Dingen zu sein, die etwas anderes sind: „Das Nichts denn muß die Menschen erst dazu bringen politisch zu sein […]. Nichts, außer dem Ereignis ihre Erscheinung in ihrer Gestalt“ (51). Der Mensch existiere, heißt es weiter, im Handeln. Die Lage der Menschen sei wechselhaft, weswegen die Menschen sich regieren müssen: „Sie müssen Macht für sich selber sein“ (53). Damit handeln sie für ihre Existenz, und im gegenseitigen Handeln für ihre menschliche Existenz erfüllten sie eine kosmologische Wahrheit und erzeugten Gesellschaft. So finde der Mensch die Macht zur Schöpfung: „Er gewinnt sie dann, wenn er über sich als Einzelner hinaus auf Gemeinsames hin, also politisch handelt“ (55). Politik definiert der Autor als „Sorge der Menschen um sich selbst“ (80). Darin jedoch betrieben sie eine „Mimesis Gottes“ (81), denn Politik strebe nach Dauer, Stabilität und Sicherheit. Dies sei jedoch nicht der Gehalt der Welt. Politik könne zudem „gut sein oder böse“ (85) und so könne sich auch die Macht im schöpferischen Potenzial der Politik gegen die Erfüllung des Leben selbst wenden. Wenn die Menschen vergessen, erläutert Schabert, dass „Regieren ihr Leben ist, geht die politische Welt, in der und durch die sie leben, unter“ (133). Durch die sie leben, heißt es, weil in der schöpferischen Macht zum Politischen der Mensch erst zu seiner vollen Existenz durch „die zweite Geburt“ (154) gelange.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Tilo Schabert: Die zweite Geburt des Menschen. Freiburg i. Br./München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21706-die-zweite-geburt-des-menschen_37028, veröffentlicht am 26.08.2009. Buch-Nr.: 37028 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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