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/ 22.06.2013
Johannes Angermüller / Silke van Dyk (Hrsg.)

Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung. Perspektiven auf das Verhältnis von Subjekt, Sprache, Macht und Wissen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010; 341 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-38947-9
In den vergangenen Jahren haben diskursanalytische und gouvernementalitätstheoretische Ansätze im Anschluss an Michel Foucault große Popularität in den Sozial- und Kulturwissenschaften erlangt. Diese zwei Felder zusammenzuführen erscheint daher ein logischer Schritt zu sein, ist aber bisher nur unzureichend durchgeführt worden. Zwar werden Erkenntnisse des jeweils anderen Gebiets in das eigene integriert, es fehlt jedoch an einer „systematischen Diskussion über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Anschlüsse und Ausschlüsse theoretischer wie methodischer Art“ (11). Dieses nun zu verbessern ist ein Hauptmotiv des von den Soziologen Johannes Angermüller und Silke van Dyk herausgegebenen Buches. Ulrich Bröckling und Susanne Krasmann bieten vorwiegend einen Überblick zum wissenschaftlichen Stand der Gouvernementalitätsforschung. Darauf folgend spricht Reiner Keller von einer Erschöpfung der Gouvernementalitätsforschung. Hierbei geht er der Frage nach, inwieweit empirische Untersuchungen von Subjektivierungsweisen eine Soziologisierung poststrukturalistischer Positionen bewirken können. Angermüller wiederum kennzeichnet die Perspektive der Diskursanalyse und erläutert, wie durch den Prozess der Sinnverknappung soziale Ordnungen innerhalb der Vielfalt der Diskurse erzeugt werden können. Eine praktische Anwendung der Verbindung von Diskursanalyse und Gouvernementalitätsforschung wird von Jens Maeße anhand des Bologna-Prozesses veranschaulicht. Annika Mattissek verwendet die Thematik der Neoliberalisierung der Stadtentwicklungspolitik als weiteres Beispiel. Marion Ott und Daniel Wrana versuchen an der Aktivierung von Arbeitslosen zu zeigen, wie durch die Integration der Diskursanalyse die Gouvernementalitätsforschung neben der vorgesehenen Programmatik auch die konkrete Umsetzung von Politik einbeziehen kann. In weiteren Beiträgen geht es um die Bereiche der Neuro-Pädagogik, der demografischen Entwicklung und des Beratungswesens. Andrea Bührmann und Werner Schneider wollen anhand einer verbesserten Dispositivanalyse den Bereich der Subjektivierung verstärkt in Forschungsvorhaben einbeziehen. Auch in den abschließenden Texten beobachten die Autoren eben diese Subjektivität im Spannungsfeld zwischen Eigensinn und Rationalität sowie in körpersoziologischer Perspektive. Der Band enthält die Beiträge einer Tagung an der Friedrich-Schiller-Universität, die im Juni 2009 stattfand.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 5.425.22.3252.3422.3432.35 Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Johannes Angermüller / Silke van Dyk (Hrsg.): Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33377-diskursanalyse-meets-gouvernementalitaetsforschung_39931, veröffentlicht am 19.01.2011. Buch-Nr.: 39931 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA