/ 22.06.2013
Myret Zaki
Dollar-Dämmerung. Von der Leitwährung zur größten Spekulationsblase der Geschichte. Aus dem Französischen von Werner Damson
Zürich: Orell Füssli Verlag AG 2012; 239 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-280-05450-5Bereits die ersten beiden Sätze geben den Tenor Buches vor: „Ein Crash des Dollars bahnt sich an. Und er ist unvermeidlich“ (9). Als stellvertretende Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins Bilan verfolgt Zaki einen journalistischen Stil. Nicht selten rutscht die sehr schwarzseherisch geprägte Darstellung leider in einen verschwörungstheoretischen Duktus. In investigativer Enthüllungsmanier will die Autorin mit ihrer „schonungslosen Analyse“ zur Aufdeckung einer „gigantischen Schuldenblase“ (9) beitragen, deren Platzen nur noch eine Frage der Zeit sei, denn der Dollar stelle „heute die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft dar“ (23). Dabei unterstellt Zaki dass die USA nicht nur von den Rating-Agenturen seit jeher viel zu positiv eingeschätzt wurden. Das Ausmaß der ökonomischen Schwäche der USA werde durch eine kreative Rechnungsführung, „die der Griechenlands in nichts“ nachstehe, permanent geschönt. Darüber hinaus suchten die USA mit „taktischen Maßnahmen“ (19) die Glaubwürdigkeit und damit den Wert des Euro im Vergleich zum Dollar zu schwächen. Angesichts dieser Methoden verbiete sich Naivität. Vielmehr müssten die Entwicklungen aus dem „Blickwinkel eines Krieges zwischen Wirtschaftsblöcken analysiert werden“ (36). Vor allem im zweiten Kapitel wendet sich Zaki ausführlich der Frage nach der wahren Wirtschaftskraft der USA zu. Zweifellos sind die mit Zahlen unterlegten Darstellungen zur Verschuldungssituation der USA beklemmend beeindruckend. Dennoch bleiben die am Ende daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen doch etwas sehr weit hergeholt: „Wir sind der Auffassung, dass die Vereinigten Staaten – so wenig wie die früheren Imperien – für einen Bankrott nicht zu groß sind, zumal die Welt gerade dabei ist, neue Fundamente zu errichten.“ (233) Es mag sein, dass der Dollar mittelfristig gegenüber dem chinesischen Yuan an Wert und damit auch seinen Status als Leitwährung verliert. Gleichwohl ist eine alleinige Fokussierung auf Währungs- und Wirtschaftsfragen in diesem Kontext nicht zielführend. Auch kulturelle, sozioindividuelle und historische Pfadabhängigkeiten gilt es zu berücksichtigen. Das Verdienst von Zakis Buch ist es, kritisch die Rolle der einzelnen nationalstaatlichen Akteure im globalen Wirtschaftsgeschehen zu hinterfragen. Durch einen weniger martialischen Stil, eine fundiertere Auseinandersetzung mit den einschlägigen (statistischen) Quellen und durchgehende Verweise wäre ihre Analyse zu diesem unzweifelhaft relevanten Thema insgesamt seriöser und glaubwürdiger ausgefallen.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 4.43 | 2.64 | 2.21 | 2.263
Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Myret Zaki: Dollar-Dämmerung. Zürich: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35049-dollar-daemmerung_42183, veröffentlicht am 05.07.2012.
Buch-Nr.: 42183
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Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
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