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/ 21.06.2013
Robert Chr. van Ooyen / Martin H. W. Möllers (Hrsg.)

(Doppel-)Staat und Gruppeninteressen. Pluralismus – Parlamentarismus – Schmitt-Kritik bei Ernst Fraenkel

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Staatsverständnisse 26); 271 S.; 29,- €; ISBN 978-3-8329-4669-2
In den vergangenen Jahren hat Ernst Fraenkel eine Renaissance wie kaum ein anderer Gründungsvater der bundesdeutschen Politikwissenschaft erfahren. In diesem Band steht seine Pluralismuskonzeption im Mittelpunkt der Betrachtungen und gefragt wird – mal mehr, mal weniger explizit – nach deren bleibender Relevanz. Adressaten sind dabei in erster Linie Juristen sowie eine breitere Öffentlichkeit, die mit der Vorstellung einer pluralistischen Staatslehre vertraut gemacht werden sollen: „Wer die Diskurse in der juristischen Staatslehre verfolgt, bemerkt schnell, wie wirkmächtig die antipluralistischen, weil etatistischen Traditionsbestände bis heute geblieben sind, die Fraenkel in seinem berühmten Vortrag über den ‚Pluralismus als Strukturelement’ schon 1964 auf dem Deutschen Juristentag in Karlsruhe scharf kritisiert hat. Zugleich zeigen neuere Studien zur politischen Kultur in Deutschland ein nach wie vor verbreitetes Unverständnis der parlamentarischen Demokratie“ (7 f.). Nach einer theoretischen und historisch-biografischen Einleitung von Brünneck und Ladwig-Winters stehen zunächst Fraenkels Auseinandersetzungen mit den juristischen Debatten seiner Zeit im Blickpunkt der Autoren. Van Ooyen und Wildt untersuchen in zwei Beiträgen die diskursiven Beziehungen zwischen Fraenkel, Kelsen und Schmitt. Originell ist Schales Beitrag, der Fraenkels intellektuelle Entwicklung vom Rechtspositivismus zu einem stark naturrechtlich orientierten Denken in den Kontext der politischen Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts stellt. Stärker an Detailfragen orientiert sind die Aufsätze von Burchardt und Llanque, in denen die Positionen des frühen Fraenkel zur Krise der Weimarer Republik sowie die des späten Fraenkel zur Rätedemokratie im Kontext der Studentenbewegung untersucht werden. Die Aktualität von Fraenkels Werk ist schließlich der Gegenstand zweier abschließender Texte von Brünneck und van Ooyen.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.465.412.312.352.32 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Robert Chr. van Ooyen / Martin H. W. Möllers (Hrsg.): (Doppel-)Staat und Gruppeninteressen. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31238-doppel-staat-und-gruppeninteressen_37161, veröffentlicht am 08.12.2009. Buch-Nr.: 37161 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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