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/ 22.06.2013
Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) (Hrsg.)

Drogenpolitik als Gesellschaftspolitik/La politique drogue en tant que politique de société. Ein Rückblick auf dreissig Jahre Schweizer Drogenpolitik, 1981-2011/Un rétrospectif sur trente ans de politique suisse en matière de drogues, 1981-2011

Zürich: Seismo 2012; 155 S.; 22,- €; ISBN 978-3-03777-114-3
In den 1980er-Jahren wandelte sich die Drogenszene in der Schweiz: „Die Zunahme des Heroinkonsums liess den ebenfalls anwachsenden Cannabiskonsum in der Wahrnehmung in den Hintergrund rücken. [...] Dann kam 1985 das Thema Aids [...]. An die Stelle einer ruhigen Betrachtungsweise des Drogenproblems kam die Notwendigkeit, kurzfristig zu handeln“ (24), berichtet François van der Linde, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen (EKDF), der mit diesem Buch geehrt wird. Mehr Repression sei die erste hilflose Antwort gewesen, bis sich ein gesellschaftlicher Konsens herausgebildet habe, der auf einer liberalen Haltung beruhe: Die Straflosigkeit, die „Entkriminalisierung des Konsums“ (Thomas Hansjakob und Martin Killias, 69) sei den Verantwortlichen damals als wichtiger Schritt zur Lösung des Problems erschienen. Damals sei eine sogenannte Viersäulenpolitik verwirklicht worden, sie bestehe aus den Komponenten Prävention, Therapie, Schadensminderung sowie Repression und werde seither nicht nur in der Schweiz, sondern mittlerweile auch in anderen europäischen Städten erfolgreich praktiziert. Geprägt und auch weiterentwickelt wurde diese Politik durch die EKDF. Verschiedene Autorinnen und Autoren, die an der Ausarbeitung der Drogenpolitik beteiligt und in der Kommission tätig waren, aber auch die Kommissionsarbeit konstruktiv begleiteten, berichten in diesem Band über ihre Erfahrungen mit der Schweizer Drogenpolitik – auch im internationalen Kontext: Im Rahmen der „Pompidou Gruppe“ (98) des Europarates, der die Schweiz seit 1985 angehört, seien Probleme des Drogenmissbrauchs und des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln untersucht worden. Die Positionen der Schweiz in punkto Schadensminderung hätten „recht schnell überzeugen“ (99) können, berichten Diane Steber Büchli, Lukas Grossmann und Ruth Dreifuss, bereits Ende der 1990er-Jahre seien sie von einer Mehrheit geteilt worden. Weltweit zeichne sich inzwischen eine Politik ab, die die einseitige prohibitive Drogenpolitik infrage stelle und die Einführung von Interventionen im Bereich der Therapie und der Schadenminderung propagiere: Substitutionstherapien seien jetzt weit verbreitet.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.52.263 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) (Hrsg.): Drogenpolitik als Gesellschaftspolitik/La politique drogue en tant que politique de société. Zürich: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35148-drogenpolitik-als-gesellschaftspolitikla-politique-drogue-en-tant-que-politique-de-socit_42314, veröffentlicht am 29.11.2012. Buch-Nr.: 42314 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA