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/ 06.06.2013
Robin Schnitzler

"Ehre heißt Planerfüllung!" Zur Geschichte der Instrumentalisierung und Manipulation von Ehre und Geehrten mit Hilfe von Auszeichnungen in der DDR

Berlin: Weißensee Verlag 2007 (Berliner Beiträge zur Zeitgeschichte 5); XVII, 1.247 S.; 85,- €; ISBN 978-3-89998-100-1
Philosoph. Diss. Augsburg; Gutachter: W. E. J. Weber, G. Kronenbitter. – Zehn Ehrungen erhielt durchschnittlich, wer Kindheit, Jugend und mindestens einen großen Teil des Berufslebens in der DDR verbrachte. Bis 1989 wurden „mehr als 5.300 verschiedene ansteckbare Auszeichnungen in Form von Orden, Ehrentiteln, Medaillen und Abzeichen mannigfaltigster Art geschaffen“ (1). Schnitzler analysiert diesen Einsatz der Ehre in „Anbetracht des totalitären Steuerungsanspruchs der SED-Führung über Staat, Gesellschaft und Individuum“ (VII) als Herrschaftsinstrument – andere soziale Wertschätzungszusammenhänge haben seiner Ansicht nach keine Chance auf Entfaltung besessen. Mit der Ehrung wurde vielmehr Bezug genommen auf die zentrale Frage der politischen Ordnung, „auf diejenige nach dem Wert und der Bewertung des Menschen, der diese Ordnung letztlich als Mitglied des Staatsvolks bildet“ (2). In seinem dreibändigen Werk stellt Schnitzler die ideologischen Grundlagen der Ehre, das sowjetische Vorbild und die Schaffung der Aktivistenbewegung und des Auszeichnungswesens in der DDR dar, erläutert die verschiedenen Orden und ihre Funktionalisierung sowie das Verfahren der Vergabe. Beschrieben wird, wie mit der Verleihung einer Auszeichnung eine Verbundenheit zwischen der Staats- und Parteiführung (und nicht der sozialistischen Gesellschaft) und dem Geehrten inszeniert wurde und wie Mitglieder einzelner Berufsgruppen gezielt geehrt und damit ideologisch instrumentalisiert wurden. Schnitzler erkennt hinter diesen Unmengen von Orden und Auszeichnungen den Versuch der SED, die für sie wesentliche Frage zu beantworten: „Wie erreicht man, dass alle Menschen unsere Anweisungen erfüllen?“ (1.179) Bei dem Phänomen der Ehre handelte es sich also vor allem um ein Propagandainstrument, „mit dem Menschen konditioniert und erzogen werden sollten“ (1.198).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Robin Schnitzler: "Ehre heißt Planerfüllung!" Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9046-ehre-heisst-planerfuellung_33755, veröffentlicht am 04.04.2008. Buch-Nr.: 33755 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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