/ 20.06.2013
Ulrich Plenzdorf / Rüdiger Dammann (Hrsg.)
Ein Land, genannt die DDR. Mit Illustrationen von Klaus Ensikat
Frankfurt a. M.: S. Fischer 2005; 204 S.; 19,90 €; ISBN 3-10-009645-2Der Propaganda-Slogan „Ich bin Arbeiter – wer ist mehr?“ sei von den Industriefacharbeitern ernst genommen worden, schreibt die Publizistin Daniela Dahn. Sie verwandelt in ihrem Beitrag über die DDR-Wirtschaft die Legende vom „faulen Ossi“ (111) in ein Stück moderne Emanzipationsgeschichte. Die DDR-Bürger seien zwar gegängelt worden, gleichwohl in ihrer Gestalt als Arbeiter seit dem Aufstand am 17. Juni 1953 aber ein ständiger Schrecken für die SED-Oberen gewesen. Dahn schreibt aus persönlicher Perspektive, schildert eigene Erlebnisse und erklärt so pars pro toto die DDR. Auch der Schriftsteller Erich Loest berichtet aus seinem Leben und erzählt am Beispiel eines guten Freundes, der tatsächlich ein IM war, wie die Staatssicherheit entwürdigend in das alltägliche Leben der Menschen eingriff. Alfred Roesler-Kleint erinnert sich an seine Träume und die vieler anderer DDR-Bürger, die sich eingesperrt fühlten und an Flucht dachten (und sie manchmal auch wagten). In anderen Beiträgen werden Kindheitserlebnisse mit dem Aufbau der DDR, aber auch mit der deutschen Teilung verknüpft, vom Kriegsende und der Wende erzählt. Die Beiträge sind sinnvoll aufeinander abgestimmt, behandeln wichtige Aspekte und ergeben zusammen vor allem durch die persönliche Perspektive, aus der die Autoren schreiben, ein sehr gelungenes Geschichtsbuch.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ulrich Plenzdorf / Rüdiger Dammann (Hrsg.): Ein Land, genannt die DDR. Frankfurt a. M.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24212-ein-land-genannt-die-ddr_27893, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27893
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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