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/ 20.06.2013
Marion Detjen

Ein Loch in der Mauer. Die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland 1961-1989

Berlin: Siedler Verlag 2005; 476 S.; 24,90 €; ISBN 3-88680-834-3
Geschichtswiss. Diss. Berlin; Gutachter: P. Steinbach, H. G. Hockerts. – „Als Hilfe bei der Verwirklichung eines Grundrechts stand die Fluchthilfe unter dem Schutz des Grundgesetzes.“ (17) Dennoch habe den Fluchthelfern von Anfang an eine konsequente öffentliche und politische Unterstützung gefehlt, schreibt Detjen. Die ungeregelten Aktionen seien sogar zunehmend als lästig empfunden worden, weil sich verantwortliche Politiker bei ihren Versuchen gestört fühlten, die Mauer auf geregelten Wegen durchlässiger werden zu lassen. Die Autorin löst die Geschichte der Fluchthilfe aus der „Polarität des Helden- und Verbrechermythos“ (14) und beschreibt die wichtigen Akteure, ihre Motive und Arbeitsweisen sowie die Konflikte, die sich aus den immer teureren Aktionen ergaben: Verkauften die Fluchthelfer die publizistischen Rechte an ihren Aktionen oder verlangten sie eine Bezahlung, gerieten sie schnell ins Zwielicht der Geschäftemacherei. Detjen zweifelt nicht daran, dass diese negative Einschätzung, zu lesen in Medien wie dem „Stern“, vom Ministerium für Staatssicherheit lanciert war. Die Autorin rückt demgegenüber die Solidarität mit den Eingeschlossenen, den anfangs mit der Fluchthilfe gezeigten spontanen Protest gegen den Mauerbau und die individuelle Hilfsbereitschaft in den Vordergrund. Grob fahrlässige Aktionen allerdings nimmt sie von dieser grundsätzlich positiven Wertung aus. Beschrieben wird außerdem, wie wenig willkommen die Flüchtlinge und Aussiedler waren (es sei denn, man brauchte gerade Arbeitskräfte), sah man in ihnen doch oft „nur“ Wirtschaftsflüchtlinge. Das Recht auf Selbstbestimmung sei mit dem Aufnahmeverfahren ebenso verengt worden wie mit den westlichen Aufrufen vor allem in der Frühphase der deutschen Teilung, man möge den Osten nicht aufgeben und dort bleiben. Entgegen der Intention des Grundgesetzes sei damit versucht worden, Einzelschicksale der „großen Politik“ unterzuordnen. Die Autorin lässt keinen Zweifel an der ethischen wie rechtlichen Fragwürdigkeit dieser Politik.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3132.3312.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Marion Detjen: Ein Loch in der Mauer. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24758-ein-loch-in-der-mauer_28610, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28610 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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