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/ 22.06.2013
Barbara Schörner / Günther Fleck (Hrsg.)

Ein Offizier als Philosoph – Schriften von Edwin Rüdiger Micewski. Kommentierter Sammelband

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009; 503 S.; 79,80 €; ISBN 978-3-631-58839-0
Der Sammelband enthält Schriften, Artikel und Essays des Offiziers und Philosophen Micewski. Er befasste sich mit grundlegenden Fragen von Sicherheitspolitik und Militärphilosophie. In seiner Schrift „Kein Blut für Öl“ von 1991 im Kontext des Golfkriegs wendet sich Micewski gegen „Unvernunft als scheinbare Humanität“. Der Krieg sei als letztes Mittel der Politik zurückgekehrt, lautet eine seiner Thesen. So bestehe wohl kein Zweifel daran, heißt es weiter, dass auch nüchterne Macht- und Einflussüberlegungen, Wirtschaftsinteressen und Profitdenken die Entscheidungen der politischen Führer des Westens beeinflussen „und dies auch müssen“ (231). Aber dennoch gesteht er George Bush, François Mitterrand und John Major zumindest auch ethisch-moralische Beweggründe für ihr Handeln zu. Micewski macht deutlich, dass die staatlichen Gemeinschaften westlicher Prägung seiner Ansicht nach den besten Rahmen für eine individuelle Freiheitsentfaltung bieten. So sei im Golfkrieg versucht worden, „einem nationalistisch-religiös-totalitären System klarzumachen“ (233), dass Absolutheitsansprüche bekämpft würden. Über die innenpolitische Situation Kuwaits äußert er sich bezeichnenderweise nicht. Sehr nebulös formuliert er, dass es müßig sei, die Frage zu stellen, ob der Krieg gerecht oder ungerecht sei: „Wenn er geführt wird, so wird er beiden Streitparteien ‚gerecht’“ (233). Die Reformdiskussion des österreichischen Bundesheeres Anfang der 90er-Jahre stellt Micewski in den Kontext einer „Orientierungskrise in unserer Gesellschaft“ (397). Er verlagert die Diskussion um eine Eliminierung der militärischen Komponente des Bundesheeres von einem daraus resultierenden Neutralitätsstatus Österreichs auf die grundsätzliche Beziehung zwischen Gesellschaft und Heer. Das Heer habe eine Sonderstellung inne, erläutert der Autor, da es „die Weiterentwicklung in der Gesellschaft im Verlauf der letzten Jahrzehnte nur bedingt“ (398) mitvollzogen habe. Aber die Gesellschaft, betont er, verdränge infolge der langen Friedenszeit auch die Sicherheitsleistung des Heeres.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.465.444.22.212.4 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Barbara Schörner / Günther Fleck (Hrsg.): Ein Offizier als Philosoph – Schriften von Edwin Rüdiger Micewski. Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32375-ein-offizier-als-philosoph--schriften-von-edwin-ruediger-micewski_38634, veröffentlicht am 08.07.2010. Buch-Nr.: 38634 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA