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/ 21.06.2013
Werner Biermann / Arno Klönne

Ein Spiel ohne Grenzen. Wirtschaft, Politik und Weltmachtambitionen in Deutschland 1871 bis heute

Köln: PapyRossa Verlag 2009 (Neue Kleine Bibliothek 134); 293 S.; 17,90 €; ISBN 978-3-89438-397-8
Das neue Gemeinschaftsprojekt von Biermann und Klönne hat mehr von einem polemischen Rundumschlag denn von sachlich-wissenschaftlicher Arbeit. In fünf flüssig zu lesenden Kapiteln vertreten die Autoren die These, dass zwischen den Weltherrschaftsambitionen des Kaiserreiches und dem „Menschenrechtsimperialismus” (213) des heutigen Deutschlands ein hohes Maß an politischer Kontinuität besteht. Der von 1871 – über Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich und Bundesrepublik – bis in die Gegenwart gespannte Bogen dient den Autoren dazu, dem – damals wie heute – von einem Kartell aus Politik, Kapital und Rüstungsindustrie getragenen deutschen Hegemonialstreben einen zeitlichen Rahmen zu geben. In ihrer an ideologischen Kampfbegriffen reichen Argumentation tauchen dann auch immer wieder Behauptungen auf, die entweder gar nicht, nicht hinreichend oder mit hanebüchenen Begründungen belegt werden. So reicht beispielsweise schon die Temperaturspanne von -40 bis +48 °C, innerhalb derer das deutsche Schützenpanzermodell „Marder” einsatzfähig ist, aus, um der Bundeswehr Offensivcharakter und Deutschland aggressiv-expansionistische Absichten zu unterstellen, da derartige Temperaturen ja in Afrika und Sibirien vorkommen sollen. Hinzu kommen zahlreiche handwerkliche Fehler, wie der, dass bereits im Zusammenhang mit dem Frieden von Brest-Litowsk von einer Sowjetunion die Rede ist, die erst 1922 gegründet wurde. Zumeist wird die deutsche Geschichte aber ohnehin als etwas vom Weltgeschehen isoliertes betrachtet; das heißt, eine Einbindung der deutschen Entwicklung in den internationalen Kontext findet kaum statt, sodass jeder noch so kleine Schritt der deutschen Politik als Schritt auf dem Weg zu neuer Weltgeltung gedeutet werden kann. Den Diskurs über das „böse Deutschland” – zu dem im übrigen keinerlei Alternativen aufgeführt werden – führen die Autoren dabei vorwiegend mit Literatur aus den 60er- und 70er-Jahren; die neuere Forschung, die die Thesen dieser ressentimentgeladenen Schrift leicht widerlegen könnte, wird nahezu vollständig ignoriert.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.31 Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Werner Biermann / Arno Klönne: Ein Spiel ohne Grenzen. Köln: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29702-ein-spiel-ohne-grenzen_35176, veröffentlicht am 08.04.2009. Buch-Nr.: 35176 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA