/ 21.06.2013
Klaus Gietinger
Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa Luxemburgs
Hamburg: Edition Nautilus 2008; 190 S.; 13,90 €; ISBN 978-3-89401-593-0Alljährlich im Januar versammeln sich Tausende von Menschen, um an die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs zu erinnern, und es scheint, als habe der Stern, der für viele über den beiden Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands hell leuchtet, auch gut neunzig Jahre nach dem Verbrechen nichts von seiner Strahlkraft verloren. Gerüchte um den Tathergang und um die Täter mögen dabei wesentlich zu dem Mythos, der die beiden umgibt, beigetragen haben. Hinzu kam die schleppende oder verschleppte Aufklärung und eine Justiz, die immer wieder Zweifel an ihrer Unbefangenheit aufkommen ließ. Gietinger benennt die Täter und rekonstruiert die Tat beinahe minutiös. In kurzen Kapiteln konzentriert sich der Autor auf den Fall Luxemburg, beschreibt dabei die wirren Umstände im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Ursachen für die Tat, deren genauen Ablauf, die geleistete Aufklärungsarbeit, den Prozess gegen die (vermeintlichen) Mörder und dessen Nachwirkungen. Breiten Raum widmet er dabei einer verschworenen Gemeinschaft um den verantwortlichen Offizier Waldemar Pabst, die bis weit in unsere Tage hinein die genauen Umstände der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 vor der Justiz und der Öffentlichkeit geheim hielt. Dass sie dabei Unterstützung in Wilhelm Canaris, dem Richter im Prozess vor dem Kriegsgericht, und in Gustav Noske, dem Volksbeauftragten für Heer und Marine, fand, zeigt, dass es bedeutende Kräfte im Reich gab, die ein grundsätzliches Interesse an der Liquidierung von Frau Luxemburg und an der Vertuschung des wahren Tathergangs hatten. Aus einem Gewirr aus Falschaussagen, gezielter Manipulation, Fluchthilfe und Sabotage ist es Gietinger gelungen, ein Puzzle zusammenzusetzen, das erheblich von dem Vorlagebild, das laut einem Urteil der Bundesregierung aus dem Jahre 1962 eine standrechtliche Erschießung zeigt, abweicht. Seiner überzeugenden Argumentation folgt ein Anhang mit Dokumenten und Kurzporträts der wichtigsten an der Tat beteiligten Personen. Es handelt sich um eine überarbeitete Studie aus dem Jahr 1995.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.311
Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30420-eine-leiche-im-landwehrkanal_36113, veröffentlicht am 26.02.2009.
Buch-Nr.: 36113
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M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
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