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/ 22.06.2013
Volker Zimmermann

Eine sozialistische Freundschaft im Wandel. Die Beziehungen zwischen der SBZ/DDR und der Tschechoslowakei (1945-1969)

Essen: Klartext 2010 (Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa 34); 639 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-8375-0296-1
Habilitationsschrift Düsseldorf; Gutachter: D. Brandes. – Am Beispiel der Ostblock-Bündnispartner DDR und Tschechoslowakei weist Zimmermann nach, dass es jenseits der Unterordnung unter die sowjetische Führungsmacht durchaus Handlungsspielräume gab. Und gerade mit dem gewählten Fallbeispiel werden bemerkenswerte Erkenntnisse zutage gefördert. So legte die DDR „in weniger als 20 Jahren einen Weg zurück, auf dem sie sich von einem Kriegsverlierer in eine tonangebende Kraft verwandelte“. Die Tschechoslowakei dagegen, formal einer der Siegerstaaten, fand sich nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, dem Ende des Untersuchungszeitraums, „als besetzter Staat wieder und hatte den letzten Rest außenpolitischen Spielraums verloren“ (569). Zimmermann entwickelt die Geschichte der Beziehungen aber ausdrücklich nicht rückwärts von diesem Endpunkt aus, an dem Ulbricht als treibende Kraft der Invasionsentscheidung aufgetreten war. Vielmehr versucht er die Kontakte, die lange Zeit die engsten im Ostblock waren, in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zu erfassen. Ausgangspunkt ist das Bemühen der SED, möglichst bald nach 1945 die Vertreibung der Sudetendeutschen und ihre Integration in der SBZ als einen abgeschlossen Prozess darzustellen. Gemeinsam sei die Abgrenzung zur Bundesrepublik gewesen, die Kontakte zu den Ostdeutschen habe die Prager Regierung der eigenen Bevölkerung aber auch erst propagandistisch nahebringen müssen. Zimmermann arbeitet die politischen und diplomatischen Aspekte heraus, die immer wieder davon getrübt wurden, dass Ulbricht sich als primus inter pares aufspielte, außerdem von der Enttäuschung der SED darüber, wirtschaftlich nicht wie gewünscht unterstützt zu werden. Von großer Bedeutung waren auch die kulturellen und gesellschaftlichen Beziehungen. Zimmermann zeigt, dass sich trotz ideologischer Übereinstimmung im Detail doch nicht alles steuern ließ, man sich in Ost-Berlin über den schädlichen Einfluss Prager Kultur ärgerte und sich in der DDR-Bevölkerung ein echtes Interesse am Nachbarland entwickelte, der sich der Bevormundung entzog. Diese Feinheiten ergeben schließlich ein differenziertes Bild der Beziehungen, mit dem das kommunistische Osteuropa etwas weniger als monolithischer Block erscheint.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.22.612.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Volker Zimmermann: Eine sozialistische Freundschaft im Wandel. Essen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32158-eine-sozialistische-freundschaft-im-wandel_38356, veröffentlicht am 24.08.2010. Buch-Nr.: 38356 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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