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/ 03.06.2013
Wolfgang Engler / Bernd Guggenberger (Hrsg.)

Einsprüche. Kritik der politischen Tagesordnung

Berlin: Aufbau-Verlag 1996; 309 S.; 32,- DM; ISBN 3-351-02439-8
Nach Meinung der Herausgeber gewinnt die Kritik am "Modell Bundesrepublik" an Boden. Parteien-, Rechts- und Sozialstaat sind weithin zu Feindbildern geworden. Statt gegenseitiger Schuldzuweisungen brauche man aber vielmehr den sozialen Sinn, den "Blick fürs große Ganze, Mut zu Reformen, selbst zum Verzicht, wenn jene davon profitieren, die nichts mehr zu verschenken haben" (8). Nur durch eine kritische Selbstbeobachtung der Gesellschaft und die Einsicht in die gegenseitige Abhängigkeit könnten wieder "respektable Institutionen, Rechts- und Moralprinzipien" entwickelt werden. "Sie zu befördern, auf den Weg zu bringen, was die einen 'kopernikanische Wende', andere 'Mentalitätswechsel', wieder andere einen 'neuen Gesellschaftsvertrag' nennen", ist das Ziel aller Beiträge. (8 f.) - Geboten wird insgesamt eine sehr interessante Aufarbeitung bedeutender gesellschaftlich-politischer Fragen, die über das politische Tagesgeschäft hinaus betrachtet werden müssen. Die Beiträge liefern zwar die Grundlage für eine Zusammenschau der anstehenden Probleme; Ansätze für eine Entwicklung von neuen, respektablen "Institutionen, Rechts- und Moralprinzipien" werden nicht jedoch geboten. Inhalt: Mensch und Bürger: Wolfgang Engler: Die Grenzen der Öffentlichkeit - Ortsverluste und Ortswechsel des Politischen (13-37); Lothar Baier: Die Mitte ist leer. Kleineuropa, Alleuropa, Barbaropa (38-51); Wilhelm Schmid: Plädoyer für eine Gesellschaft der Citoyenität (52-62). Staat und Politik: Werner Peters: Wie gemeinwohlfähig ist unsere Parteiendemokratie? (65-78); Rainer Land: Das Rot-Grüne Projekt des "sozial-ökologischen Umbaus der Industriegesellschaft" und die PDS (79-100); Bernd Guggenberger: Erfahrungs- und Mentalitätsdifferenzen als Politikum. Der Umgang mit der PDS als Symbol und Symptom dessen, was zwischen Ost und West noch immer schief läuft (101-109). Gerechtigkeit und Recht: Roland Makowka: Vor dem Justizinfarkt? Bilanz des deutschen Rechtssystems (113-127); Rosemarie Will: Ankunft im bundesdeutschen Rechtsstaat. Wie erfahren Ostdeutsche den Rechtsstaat im vereinigten Deutschland? (128-142); Marion Gräfin Dönhoff: Gerechtigkeit ist nicht Vergeltung (144-146). Sozialstaat und Arbeit: Eberhard Moths: Konsens - Selbstmordversuch der Demokratie (149-160); Meinhard Miegel: Der Abschied von der Vollbeschäftigung oder das Programm gegen die Arbeitslosigkeit (161-176); Burckhard Wellmann: Die Arbeit auf dem Prüfstand. Gibt es Wege aus der Arbeitslosigkeit? (177-191); Warnfried Dettling: Die Wiedergewinnung des Sozialen. Leitbilder und Methoden für eine andere Sozialpolitik (192-207); Hermann von Laer: Geburtenimplosion, Zuwanderung und Zusammenbruch der sozialen Systeme: Familie hat Zukunft (208-219); Brigitte Rauschenbach: Das Andere der Politik oder Geschlechterdemokratie (220-232). Ökologie und Technologie: Ernst Ulrich von Weizsäcker: Der Faktor vier. Über die Effizienzrevolution zum nachhaltigen Wirtschaften (235-250); Bernd Guggenberger: Von der Raum- zur Zeitordnung. Soziale und politische Folgen der "Neuen Technologien" (251-268); Christoph Türcke: Konzentrierte Zerstreuung. Die Selbst-Untergrabung der neuen Medien (269-290). Vergangenheit und Zukunft: Joachim Gauck: Wahrnehmen - Aushalten - Widerstehen. Zivilcourage: Erwägungen zu einem schwierigen Begriff in einem schwierigen Jahrhundert (293-304).
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.32.3332.3312.26 Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Wolfgang Engler / Bernd Guggenberger (Hrsg.): Einsprüche. Berlin: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1448-einsprueche_1638, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 1638 Rezension drucken
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