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/ 22.06.2013
Peter-Ferdinand Koch

Enttarnt. Doppelagenten: Namen, Fakten, Beweise

Salzburg: ecowin 2011; 468 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-7110-0008-8
„Es war notwendig, dass wir jeden Schweinehund verwendeten. Hauptsache, er war Antikommunist“ (9), zitiert Koch den Sowjet-Experten der CIA Harry Rositzki. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnten sich so ehemalige Nazi-Verbrecher in den Geheimdiensten etablieren. Koch bedauert, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BFV) damals glaubten, nicht auf deren Fachkompetenz verzichten zu können. Einige von ihnen – wie der Sprengmeister Johannes Chrome, der nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft unter Richard Gehlen die Abhörtechnik des BND aufbaute – waren allerdings Doppelagenten. So stand Chrome unter dem dringenden Verdacht, während seiner Kriegsgefangenschaft in Russland vom KGB umgedreht worden zu sein. Der Autor kritisiert, dass im Zuge der Ermittlungen gegen ihn zwar Beschäftigte des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) auf ihre NS-Vergangenheit überprüft wurden, ehemalige Angehörige der Waffen-SS, der SS-Polizeiregimenter und des BND-Vorläufers Fremde Heere Ost aber unbehelligt blieben. Koch zeichnet aber nicht nur die Schicksale von Doppelagenten mit NS-Vergangenheit nach, er verfolgt auch die Spuren anderer berühmt-berüchtigter Doppelagenten wie Georg Ritter von Sonowski und bietet damit zugleich einen spannenden Einblick in die Welt der Geheimdienste der Weimarer Republik. Sonowski baute in den 20er-Jahren mithilfe der verarmten Adeligen Benita von Falkenhayn, Renate von Natzmer und Irene von Jena ein erfolgreiches Spionagenetz auf. Seine beste Agentin glaubte er jedoch in der schönen Schauspielerin Lea Kruse gefunden zu haben, die ihn später enttarnte. Benita von Falkenhayn und Renate von Natzmer wurden am 18. Februar 1935 von einem Pferdemetzger mit der Axt enthauptet, Irene von Jena verschwand im Zuchthaus. Sonowski selbst wurde im Frühjahr 1936 gegen in Polen festgesetzte Agenten ausgetauscht und von einem Warschauer Militärgericht wegen Doppelagententätigkeit – Sonowski hatte die Pläne für die Besetzung Polens auch an die Briten verkauft – zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er wurde vom KGB schließlich befreit und später für die Spionage in der Bundesrepublik zwangsverpflichtet.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.3242.31 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Peter-Ferdinand Koch: Enttarnt. Salzburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33900-enttarnt_40621, veröffentlicht am 25.08.2011. Buch-Nr.: 40621 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA