/ 21.06.2013
Sabine Horn
Erinnerungsbilder. Auschwitz-Prozess und Majdanek Prozess im westdeutschen Fernsehen
Essen: Klartext 2009; 299 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-8375-0077-6Diss. Bremen. – Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963/65) war das erste umfassende Strafverfahren, mit dem die Verbrechen in diesem nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager gesühnt werden sollten. Der von 1975 bis 1981 vor dem Landgericht Düsseldorf geführte Majdanek-Prozess war das letzte größere KZ-Verfahren vor einem bundesdeutschen Strafgericht. Horn untersucht den Wandel der Repräsentation beider Strafverfahren im bundesdeutschen Fernsehen. Sie konstatiert eine beträchtliche Entwicklung in diesem Zeitraum. Die Täter seien in der Berichterstattung zunehmend aus dem Blickfeld geraten und die Opfer stärker wahrgenommen worden. Insgesamt seien die Beiträge kritischer geworden. Das Fernsehen habe immer weniger die Rolle einer Instanz eingenommen, die staatliches Handeln wohlwollend abbilde und in jedem Fall legitimiere. So sei namentlich die Berichterstattung zum Auschwitz-Prozess größtenteils affirmativ gewesen, oftmals sei „in der Manier eines Pressesprechers“ (243) berichtet worden. Insgesamt zeigt die Arbeit nicht nur die Veränderungen in der journalistischen Praxis vor und nach 1968, sondern arbeitet am Beispiel der Berichterstattung über beide KZ-Prozesse heraus, wie stark „das Fernsehen in alle Sphären des kollektiven Gedächtnisses hineinragt, es prägt und formt“ (253).
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.35 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Sabine Horn: Erinnerungsbilder. Essen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30842-erinnerungsbilder_36648, veröffentlicht am 23.03.2010.
Buch-Nr.: 36648
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Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
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