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/ 22.06.2013
Markus Demele / Michael Hartlieb / Anna Noweck (Hrsg.)

Ethik der Entwicklung. Sozialethische Perspektiven in Theorie und Praxis

Münster: Aschendorff Verlag 2011 (Forum Sozialethik 9); 215 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-402-10635-8
Die Autorinnen und Autoren versuchen einen Entwicklungsbegriff zu etablieren, der kulturell sensibel, ökologisch und gesellschaftlich nachhaltig ist sowie gerechtigkeitstheoretische Überlegungen einbezieht. Angesichts des Scheiterns modernisierungstheoretisch informierter Entwicklungsmodelle gehe es darum, Entwicklung nicht auf die Reduzierung von Armut zu verkürzen, sondern eine Gesellschaftsordnung zu konzipieren, in der „allen Gesellschaftsmitgliedern die Verwirklichung ihrer fundamentalen Entwicklungsoptionen ermöglicht wird“ (13 f.). Grundlegend für diese Position ist das normative Entwicklungskonzept des Menschenrechtstheoretikers Thomas Pogge, dessen Argumente von Johannes J. Frühbauer und Andreas Fisch einleitend dargelegt werden. Es folgen Beiträge zur Umweltethik, Versuche, ein interkulturelles Entwicklungskonzept zu entwerfen und Aufsätze, die nach der Rolle und der Verantwortung konkreter entwicklungspolitischer Akteure wie der katholischen Kirche, den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Internationalen Arbeiterorganisation fragen. Aus der Kritik am Status quo der Entwicklungspolitik versuchen die Autoren und Autorinnen alternative Normen und Institutionen für eine gerechtere Entwicklung zu entfalten. Henrik Hartmann zum Beispiel schlägt in Anlehnung an Jürgen Habermas’ Paradigma verständigungsorientierten Handelns vor, kollektivistische Traditionen in das liberaldemokratische Politikmodell pluraler Gesellschaften zu integrieren und so ein Demokratiemodell zu entwickeln, das den politischen Erwartungen afrikanischer Gesellschaften besser entspräche. Michelle Becka erkennt in der andinischen Kosmologie verwurzelten Ethik des „vivir bien“ eine Ressource für eine ökologisch und gesellschaftlich verträgliche Entwicklung. Allen Beiträgen ist gemein, dass sie aufdecken, inwieweit der „realpolitisch meist auf ökonomische Zusammenhänge verengte Entwicklungsbegriff“ (16) unter ethischen Gesichtspunkten unzureichend ist und in vielen Fällen zur Persistenz endemischer Armutsbedingungen und sozialer Ungerechtigkeiten beiträgt. Der Sammelband geht aus einer Tagung des Forums Sozialethik hervor, die im September 2010 in der Katholischen Akademie Schwerte abgehalten wurde.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.444.424.434.455.422.672.654.3 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Markus Demele / Michael Hartlieb / Anna Noweck (Hrsg.): Ethik der Entwicklung. Münster: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34086-ethik-der-entwicklung_40877, veröffentlicht am 08.09.2011. Buch-Nr.: 40877 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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