/ 21.06.2013
Ingolf Pernice / Benjamin von Engelhardt / Sarah H. Krieg / Isabelle Ley / Osvaldo Saldias (Hrsg.)
Europa jenseits seiner Grenzen. Politologische, historische und juristische Perspektiven
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Schriftenreihe Europäisches Verfassungsrecht 31); 229 S.; 54,- €; ISBN 978-3-8329-4253-3Der Sammelband enthält die Beiträge einer Berliner Tagung vom Juni 2008, anlässlich derer sich Stipendiaten des DFG-Graduiertenkollegs „Verfassung jenseits des Staates“ und ihre Gäste austauschten. Das Ziel der Autoren ist es, das politische und institutionelle Gebilde der Europäischen Union nicht von innen, sondern von außen, entlang ihrer Grenzen zu betrachten. Die thematisch vielfältig umrissene Frage, wo diese Grenzen der EU liegen, richtet sich aber auch danach aus, ob ihre Antwort einen Beitrag zum inneren Selbstverständnis liefern kann: Der Vorwurf des Eurozentrismus wird anhand von Fragen der EU-Außenpolitik in historisch-kritischer Perspektive angerissen. Oder die Autoren nehmen die Klage der fehlenden demokratischen Legitimation der EU in institutioneller und verfassungstheoretischer Hinsicht auf. Die Analysen gewinnen durch den Umstand, dass die Forschungsperspektive ihrer Verfasser über die politische Tagesdiskussion hinausweist. Isabelle Ley diskutiert die Bedeutung von Grenzen und erläutert die entsprechenden Regelungen sowohl im Europa- als auch im Völkerrecht. Sie votiert nicht für einen universalen „postnationalen Konstitutionalismus“ (91), sondern hebt die Grenze als Möglichkeit der prozessualen Weiterentwicklung des Verfassungsdenkens hervor. Eine postnationale politische Ordnung erkenne durch Grenzen auch ihre Pluralität und die Notwendigkeit der fortschreitenden Kommunikation über diese hinweg. Der Umstand, dass jeden Tag Menschen jene EU-Außengrenzen legal oder illegal überschreiten, stellt hohe Anforderungen an die institutionellen Bestimmungen der Mitgliedstaaten, wie Sarah H. Krieg anhand von internationalen Regelungen zum Menschenhandel aufzeigt. Zugleich fordert Henri Vogt, dass die Auseinandersetzung mit Migration eine neue ethische Fundierung durch Beachtung der philosophischen Konzepte von Respekt und Toleranz bedürfe. Leider fehlt dem Band eine kommentierende und verbindende Stimme.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 3.6 | 3.1 | 4.1 | 4.3 | 2.68 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Ingolf Pernice / Benjamin von Engelhardt / Sarah H. Krieg / Isabelle Ley / Osvaldo Saldias (Hrsg.): Europa jenseits seiner Grenzen. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31211-europa-jenseits-seiner-grenzen_37124, veröffentlicht am 13.10.2009.
Buch-Nr.: 37124
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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