/ 21.06.2013
Peter Jurczek / Matthias Niedobitek (Hrsg.)
Europäische Forschungsperspektiven. Elemente einer Europawissenschaft
Berlin: Duncker & Humblot 2008 (Chemnitzer Europastudien 8); 436 S.; 76,- €; ISBN 978-3-428-12714-6Der Sammelband wurde vom Forum für Europäische Studien an der Universität Chemnitz herausgegeben, das den institutionellen Rahmen für die Aktivitäten verschiedener Fakultäten zum Thema EU bildet und deren Kooperation fördert. Dieser interdisziplinäre Ansatz erlaubt es den Autoren ihre aktuellen wissenschaftlichen Überlegungen und Erkenntnisse zu kommunizieren und zugleich zur Entstehung einer Europawissenschaft beizutragen. Obwohl in mehreren Beiträgen wichtige gesamteuropäische Themen aufgegriffen werden, bestimmen insgesamt Forschungsfragen zu Ost- und Mitteleuropa die Ausrichtung des Bandes. Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind aktuell nicht nur durch den Konflikt in Georgien belastet. Vor diesem Hintergrund gewinnt Frank-Lothar Krolls Erörterung des europäisch-russischen Verhältnisses in seinem umfassenden historischen Kontext an Bedeutung. Er beginnt mit den Erblasten aus der Mongolenzeit und endet mit dem offensiven Selbstverständnis des sich erneuernden Russlands unter Vladimir Putin. Dabei erkennt er im Zustand Westeuropas das zentrale Problem des russischen Selbstbewusstseins und die Leitfrage russischen politischen Handelns. In dem Beitrag „Auf dem Weg zum Neo-Imperialismus?“ vertritt Thomas Seeger die These, dass in den ehemals sozialistischen Staaten Mittel- und Osteuropas ein Prozess hin zu prekären neo-liberalen Arbeitsverhältnissen im Gange sei. Er prüft dies am Beispiel der neuen EU-Mitglieder Polen, Tschechien und Ungarn. Auf dem Gebiet der Kulturwissenschaft diskutiert Josef Schmied, ob Englisch als Lingua franca der EU Akzeptanz findet. Für ihn steckt die Union in einem Sprachdilemma, da einerseits alle Sprachen offiziell gefördert würden, die offizielle und persönliche Kommunikation aber pragmatische Lösungen erfordere. Zukunftsweisend ist auch Ludwig Gramlichs Analyse der Brüsseler Initiative iEurope 2010 – ein Konzept mit dem die Europäische Kommission ihrem Projekt einer „Informationsgesellschaft für alle“ (179) einen politischen Impuls geben will.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 5.2
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Peter Jurczek / Matthias Niedobitek (Hrsg.): Europäische Forschungsperspektiven. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29465-europaeische-forschungsperspektiven_34880, veröffentlicht am 30.09.2008.
Buch-Nr.: 34880
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Politikwissenschaftlerin.
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