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/ 21.06.2013
Hendrik Thoß (Hrsg.)

Europas Eiserner Vorhang. Die deutsch-deutsche Grenze im Kalten Krieg

Berlin: Duncker & Humblot 2008 (Chemnitzer Europastudien 9); 275 S.; 78,- €; ISBN 978-3-428-12891-4
Die Idee zu einer Publikation über das Grenzregime der DDR entstand vor dem Hintergrund der Gedenkveranstaltungen im Jahr 2006 zum 60. Jahrestag der offiziellen Gründung der Grenzpolizei der SBZ. Diesen Kontext, so stellt der Herausgeber fest, hätten ehemalige Grenzsoldaten dazu genutzt, den Mythos von der friedenserhaltenden Funktion des „Eisernen Vorhangs“ zu pflegen. Möglich sei dies auch deshalb, weil die wissenschaftliche Aufarbeitung der innerdeutschen Grenze bislang noch nicht weit vorangeschritten sei – eine Lücke, die von den Autoren ein Stück weit geschlossen werden soll. Die Beiträge basieren mehrheitlich auf Vorträgen der Tagung „Die innerdeutsche Grenze im Kalten Krieg“, die im Januar 2007 von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung im Grenzmuseum Point Alpha organisiert wurde. Reiner Pommerin stellt die deutsche Grenze in den Kontext der Blockkonfrontation des Kalten Krieges; in seinen strukturellen Überlegungen kontrastiert er dabei die konfrontative Haltung und strikte Systemabgrenzung in Ost-Berlin mit der im Vergleich dazu (meist) pragmatischen Gesprächsbereitschaft zwischen Washington und Moskau. Nach dieser Vogelperspektive untersucht Peter Joachim Lapp die interne Organisation und Aufgabenzuweisung der Grenzpolizei vor dem Ausbau der Grenzanlagen. Die Verhinderung von Republikflucht – auch unter Gebrauch der Schusswaffen – war fast von Beginn an die zentrale Aufgabe der Truppen; allerdings konnten sie diese Aufgabe kaum effektiv erfüllen. Dies gelang erst mit dem Ausbau der Grenze und der Umwandlung der Grenzpolizei zur NVA-Grenztruppe, wie Hendrik Thoß nachweist. In einem zweiten Beitrag beschäftigt sich Thoß mit der juristischen Aufarbeitung der Gewalttaten an der deutsch-deutschen Grenze. Abgeschlossen wird der Band mit zwei militärhistorischen Beiträgen von Walter Jablonsky, in denen er sich mit der – seiner Ansicht nach wenig schlagkräftigen – Kampfkraft der Grenztruppen und deren Einbindung in die Strukturen der Organisation des Warschauer Vertrages beschäftigt.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.12.3132.314 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Hendrik Thoß (Hrsg.): Europas Eiserner Vorhang. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30303-europas-eiserner-vorhang_35958, veröffentlicht am 10.02.2009. Buch-Nr.: 35958 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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