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/ 22.06.2013
Mart Busche / Laura Maikowski / Ines Pohlkamp / Ellen Wesemüller (Hrsg.)

Feministische Mädchenarbeit weiterdenken. Zur Aktualität einer bildungspolitischen Praxis

Bielefeld: transcript Verlag 2010 (GenderStudies); 327 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-8376-1383-4
Der Band dokumentiert und reflektiert die Entwicklung feministischer „Mädchen_arbeit“ (8) in der Bildungsstätte „Alte Molkerei Frille“. Bei den Autoren handelt es sich um Mitarbeiter der Bildungsstätte, die zum Teil sozialwissenschaftlich fundierte Berichte ihrer Arbeit geben, aber auch ein Interview und ein „Manifest für Mädchen_arbeit“ (309) sind zu finden. Mit der Schreibweise „Mädchen_“ wird ein wichtiger Bestandteil der konzeptionellen Arbeit in der Alten Molkerei zum Ausdruck gebracht: Es geht darum, eine nicht-essentialistische Perspektive auf Geschlechterverhältnisse zu entwickeln und praktisch umzusetzen, um so einerseits die Vielfalt und Unabgeschlossenheit der Kategorie Geschlecht zu unterstreichen, andererseits die Intersektionalität zu betonen, also die Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen sozialen Kategorien wie Geschlecht, Klasse oder Bildung. Aus dieser Perspektive heraus soll der Blick auf strukturelle Gewaltverhältnisse besonders deutlich werden. So reflektieren zum Beispiel Fidan Yiligin, Jennifer Vogt und Svenja Reimann aus Migrations- sowie aus „weiß-deutscher Perspektive“ (16) die Praxis rassismuskritischer Mädchenarbeit. In weiteren Beiträgen werden die Vielfalt sexueller Identitäten und der pädagogische Umgang mit Transgender (Ines Pohlkamp) oder die Intersektionalität von Geschlecht und Klasse (Ellen Wesemüller) thematisiert. Da Geschlecht in den Beiträgen zumeist als relationale Kategorie aufgefasst wird, geht es auch um das Verhältnis zwischen Mädchen- und Jungenarbeit sowie die Problematik der Fortschreibung von Geschlechterrollen. Die Publikation versteht sich als politisches Buch. Zum einen verweisen die Autoren auf die politischen Aspekte des Privaten. Die Konstruktion von Geschlecht produziert strukturelle Gewalt, indem sie die freie persönliche Entfaltung von Mädchen wie Jungen behindert. Andererseits geht es darum, die Bedeutung der Mädchenarbeit gegenüber politischen Sparzwängen zu betonen. Trotz vielfältiger Klagen über die Benachteiligung von Jungen in der schulischen Bildung sind immer noch Frauen im späteren Berufsleben strukturell benachteiligt. Solange dies der Fall sei, bestehe weiter Bedarf an Mädchenarbeit.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.362.352.343 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Mart Busche / Laura Maikowski / Ines Pohlkamp / Ellen Wesemüller (Hrsg.): Feministische Mädchenarbeit weiterdenken. Bielefeld: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33413-feministische-maedchenarbeit-weiterdenken_39979, veröffentlicht am 20.04.2011. Buch-Nr.: 39979 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA