/ 19.06.2013
Jeanette Erazo Heufelder
Fidel. Ein privater Blick auf den Máximo Líder
Frankfurt a. M.: Eichborn 2004; 394 S.; geb., 24,90 €; ISBN 3-8218-3980-5Die Aufmachung des Buches lässt eine revolutionsromantische Huldigung Castros befürchten - glücklicherweise zu Unrecht. Der Ethnologin Erazo Heufelder ist es vielmehr gelungen, den privaten Castro zu zeigen, seine wenigen Erfolge in der Bildungspolitik und bei der Gleichstellung der Frauen zu erwähnen, aber gleichzeitig keinen Moment zu vergessen, dass der kubanische Staatspräsident ein selbstherrlicher Diktator ist, der keinen Widerspruch duldet. Castro steht zwar eindeutig im Mittelpunkt dieser „Sammlung von Geschichten, Fakten, Legenden und Zitaten" (13), mit der die Autorin keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Über die Person hinaus wird aber deutlich, wie die Diktatur das Leben der Kubaner prägt, zu deren Überwachung ein engmaschiges Netz in einer Art „Blockwartsystem" (191) gewoben wurde. Zum Systemerhalt trage außerdem die Emigration vieler Oppositioneller wesentlich bei. Abgesehen von dieser sehr realitätsnahen Beschreibung Castros und seiner Politik stören Charakterisierungen wie „Er ist der Popstar unter den Politikern" (323), auch wenn Castro der Status als lebender „Mythos" (292) nicht völlig abzusprechen ist. Er selbst sehe sich durch die US-Regierungen dazu gemacht, schreibt die Autorin. Und mindestens dieser Status müsse ihm wohl als Erfolg angerechnet werden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 | 2.24 | 2.25 | 2.1
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jeanette Erazo Heufelder: Fidel. Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20834-fidel_24292, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24292
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