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/ 22.06.2013
Anke Fiedler / Michael Meyen (Hrsg.)

Fiktionen für das Volk: DDR-Zeitungen als PR-Instrument. Fallstudien zu den Zentralorganen Neues Deutschland, Junge Welt, Neue Zeit und Der Morgen

Berlin: Lit 2011 (Kommunikationsgeschichte 30); 334 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-643-11077-0
Die Tageszeitungen der DDR wurden bisher wenig erforscht, weil Grund zu der Annahme besteht, dass eine vergleichende Studie Ergebnisse zutage fördern würde, die bereits allgemein bekannt sind: Die Berichterstattung in den Printmedien wurde von der SED angeleitet und kontrolliert, dementsprechend finden sich keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Gazetten. Meyen erhielt durch eine von ihm durchgeführte Umfrage (2003 veröffentlicht) allerdings Hinweise darauf, dass die befragten Leser sehr wohl Unterschiede zwischen den Zeitungen feststellten. Die Annahme wird genährt durch einen Blick auf die Verkaufszahlen: Der Erfolg und die Popularität einiger, aber keinesfalls aller Zeitungen könnten Indizien für inhaltliche Unterschiede sein. Die augenscheinliche Diskrepanz zwischen den bisherigen Forschungsergebnissen und der Wahrnehmung durch die Leser untersuchen die Autoren des Bandes genauer. Die Analyse der vier landesweit erschienenen Zentralorgane soll die Frage klären, ob von einer uneingeschränkten Uniformität der DDR-Zeitungen gesprochen werden sollte. Bei ihren empirischen Untersuchungen bedienen sich die Autoren dem politischen PR-Ansatz von Merten. Der „Ausgangspunkt Differenzmanagement erlaubt zu untersuchen, wie die SED-Spitze in ganz konkreten Situationen ihre Botschaften anpasste, um die sehr unterschiedlichen Zielgruppen zu erreichen.“ (18). Die Autoren widmen sich in den einzelnen Artikel dem Erkenntnisinteresse aus unterschiedlichen Richtungen. Müller beispielsweise hat anhand von sieben Fallbeispielen die Anweisungen des ZK und deren Umsetzung in den einzelnen Blättern untersucht. „Der Morgen“ und die „Neue Zeit“ handelten demnach nach der Maxime: „Was nicht zu umgehen war, wurde gemacht […], wo die Vorgaben aber eher offen waren, ersparten die beiden kleineren Blockparteizeitungen ihren Lesern sozialistische Propaganda.“ (83) Fiedler zeigt, dass die Pressevorgaben des ZK als ein Spiegel der innen- und außenpolitischen Lage betrachtet werden müssen. Die Vorgaben wurden je nach aktueller Situation rigider oder lockerer. Das schlägt sich auch in der Berichterstattung selbst wider: Schweizer analysiert, dass über die Ausbürgerung Biermanns relativ sachlich berichtet wurde. Die Autoren des Buches wollen „das Bild der DDR-Tagespresse nicht revolutionieren“ (321). Natürlich hat das ZK die Berichterstattung maßgeblich bestimmt. Es finden sich allerdings auch Unterschiede, weshalb Merten und Fiedler nach der Untersuchung von einer „Uniformität mit Profil“ (321) sprechen.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Anke Fiedler / Michael Meyen (Hrsg.): Fiktionen für das Volk: DDR-Zeitungen als PR-Instrument. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33988-fiktionen-fuer-das-volk-ddr-zeitungen-als-pr-instrument_40731, veröffentlicht am 18.08.2011. Buch-Nr.: 40731 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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