/ 18.06.2013
Ulrich Brand / Werner Raza (Hrsg.)
Fit für den Postfordismus? Theoretisch-politische Perspektiven des Regulationsansatzes
Münster: Westfälisches Dampfboot 2003; 331 S.; 24,80 €; ISBN 3-89691-529-0Die an Gramcsi anschließende Regulationstheorie hat seit etwa 15 Jahren auch in der deutschen Debatte zu einer Belebung der im weiteren Sinne marxistischen Staatstheorie geführt. Dies zum einen, weil die Arbeiten etwa von Aglietta, Lipietz oder Jessop gegenüber ökonomistischen Verkürzungen nachdrücklich das Politische und dessen Regulationsleistungen als Bedingung der Kapitalakkumulation betonen. Zum anderen hat diese Aufmerksamkeit für soziale und politische Vermittlungen des Kapitalverhältnisses plausible zeitdiagnostische Interpretationen des „Fordismus" und dessen sich in den 70er-Jahren abzeichnenden Krisen ermöglicht. Umstritten ist jedoch, ob sich dieser Ansatz ebenso zur (kritischen) Analyse der gegenwärtigen, im Zeichen der Globalisierung erfolgenden gesellschaftlichen Restrukturierungsprozesse eignet (schon der hierfür verwendete Ausdruck "Post-Fordismus" artikuliert eine theoretische Verlegenheit). Die Beiträge greifen diese Frage auf - allerdings nicht um die Regulationstheorie zu verabschieden; den Autoren geht es vielmehr um eine Reformulierung des „herrschaftskritische[n] und emanzipative[n] Potenzial[s]" des Regulationsansatzes (9). Die Abhandlungen beruhen auf einer Tagung im Bruno Kreisky-Forum für Internationalen Dialog in Wien vom Oktober 2001.
Inhalt: Werner Raza / Ulrich Brand: Einleitung: Der Regulationsansatz als Fordismus- oder Kapitalismustheorie? (7-16). I. Regulationstheorie - zum Stand der Diskussion: Bernd Röttger: Verlassene Gräber und neue Pilger an der Grabesstätte. Eine neo-regulationistische Perspektive (18-42); Alex Demirovi?: Stroboskopischer Effekt und die Kontingenz der Geschichte. Gesellschaftstheoretische Rückfragen an die Regulationstheorie (43-57); Joachim Becker: Beiderseits des Rheins. Regulationstheorie und emanzipatorische Politik (58-75); Vanessa Redak: Akkumulationsregime des Vermögensbesitzes: People's Capitalism? (76-88); Bob Jessop: Postfordismus und wissensbasierte Ökonomie. Eine Reinterpretation des Regulationsansatzes (89-111). II. Blinde Flecken: Kapitalistische Peripherie, Naturverhältnisse: Michaela Bohn: Die Analyse peripherer Gesellschaften. Beiträge und Grenzen der „Grenobler Schule" (114-130); Sabah Alnasseri: Ursprüngliche Akkumulation, Artikulation und Regulation. Aspekte einer globalen Theorie der Regulation (131-157); Werner G. Raza: Politische Ökonomie und Natur im Kapitalismus. Skizze einer regulationstheoretischen Konzeptualisierung (158-174); Christoph Görg: Gesellschaftstheorie und Naturverhältnisse. Von den Grenzen der Regulationstheorie (175-194). III. Die Regulation des Raumes: Jens Winter: Regulation und Hegemonie in nach-fordistischen Zeiten. Notizen zur raumtheoretischen Herausforderung (196-216); Christian Schmid: Raum und Regulation. Henri Lefebvre und der Regulationsansatz (217-242); Johannes Jäger: Über die Stadt hinaus. Urbaner Raum und Bodenrente im Spannungsfeld von Akkumulation und Regulation (243-264); Margit Mayer: Das Potenzial des Regulationsansatzes für die Analyse städtischer Entwicklungen am Beispiel territorialer Anti-Armutspolitik (265-280). IV. Ausblick - Politische und theoretische Perspektiven des Regulationsansatzes: Andreas Novy: Politik, Raum und Wissen. Zentrale Kategorien eines erneuerten radikalen Reformismus am Beispiel Brasiliens (282-303); Ulrich Brand: Regulation und Politik. Theoretische Probleme der Internationalisierung und die „Empire"-These (304-325); Erik Borg: Tagung im Bruno Kreisky-Forum für Internationalen Dialog am 5. und 6. Oktober 2001 in Wien (326-328).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.45 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Ulrich Brand / Werner Raza (Hrsg.): Fit für den Postfordismus? Münster: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17624-fit-fuer-den-postfordismus_20308, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20308
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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