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/ 11.06.2013
Jürgen Lieske

Forschung als Geschäft. Die Entwicklung von Auftragsforschung in den USA und Deutschland

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000 (Campus Forschung 800); 337 S.; kart., 78,- DM; ISBN 3-593-36459-X
Geschichtswiss. Diss. München. - Zusammen mit anderen Arbeiten ist diese Studie im Kontext eines Projektes zur Geschichte der Fraunhofer-Gesellschaft entstanden, das vom Forschungsinstitut für Technik- und Wissenschaftsgeschichte des Deutschen Museums und dem Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte der Humboldt-Universität Berlin durchgeführt worden ist. Im Bereich der Technologieentwicklung nimmt Auftragsforschung neben der universitären Grundlagenforschung und etwa den Ressortforschungseinrichtungen auf Bundes- oder Landesebene eine eigenständige Rolle ein. Dies lässt sich nicht allein an dem Anteil von rd. 10 % ablesen, den dieser Forschungstyp an den FuE-Aufwendungen von Unternehmen stellt (23). Wichtiger noch sind - wie der Autor zeigt - die besonderen Anwendungsbedingungen extern erzeugten Wissens (13 ff.). Einerseits beruht es auf kontraktförmig fixierten Konditionen, die neben verbindlichen zeitlichen und finanziellen Vorgaben auch die erwarteten Ziele spezifizieren. Andererseits erfüllt Vertragsforschung im Rahmen einer Kooperation unterschiedlicher Akteure (Wirtschaft, Wissenschaft, Politik) eine wichtige Schnittstellenfunktion. Diese Akteursbeziehungen lassen sich schließlich mit dem Konzept des "Nationalen Innovationssystems" als länderbezogene Ausprägungen spezifischer Innovationsregime interpretieren (29 ff.). Von diesen Überlegungen stellt der Autor die Entwicklung von Vertragsforschung in den beiden unterschiedlichen Forschungslandschaften USA (51 ff.) und Deutschland (224 ff.) dar. Inhalt: I. Einleitung: 1 . Die Begriffe "Vertragsforschung" und "Contract research"; 2. Warum extemalisieren Unternehmen?; 3. Vertragsforschung - ein "Hybrid zwischen den Welten"; 4. Vom "Linearen Modell" zum "Nationalen Innovationssystem"; 5. Zwei Forschungslandschaften aus der Vogelperspektive: USA und Deutschland. II. "Contract research" in den USA: 1. Entwicklungslinien des amerikanischen Innovationssystems bis zum Ersten Weltkrieg; 2. Zwei frühe Vertragsforschungseinrichtungen - Arthur D. Little und das Mellon Institute; 3. Zwischen Panama, Versailles und Pearl Harbor - die Entwicklung des amerikanischen Innovationssystems von der Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg; 4. Institutionalisierung der "contract machinery" - das amerikanische Innovationssystem im Zweiten Weltkrieg; 5. Das Goldene Zeitalter der Vertragsforschung - das amerikanische Innovationssystem im Kalten Krieg; 6. "Research as business" - Vertragsforschung und der Academic-Military-Industrial-Complex im Kalten Krieg; 7. Ausblick und Fazit: "The fragile contract" - das Ende der goldenen Jahre der Vertragsforschung? III. Vertragsforschung in Deutschland: 1. Vom Kaiserreich bis zur "Stunde Null" - "Gemeinschaftsforschung" im "durchstaatlichten" Innovationssystem; 2. Staatlich gelenkte Industrieforschung zwischen Niederlage und Wiederaufbau 1945 bis 1952; 3. Battelle und die Fraunhofer-Gesellschaft in den fünfziger und sechziger Jahren - Konkurrenten oder wechselseitige Ergänzung?; 4. "Eine nie dagewesene Chance" auf dem Weg zur dritten Säule: Der Ausbau der FhG in den sechziger und siebziger Jahren; 5. Ein (retrospektiver) Ausblick: Der Aufstieg der Fraunhofer-Gesellschaft und der Niedergang Battelles.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.22.642.3 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Jürgen Lieske: Forschung als Geschäft. Frankfurt a. M./New York: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11935-forschung-als-geschaeft_14237, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14237 Rezension drucken
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