/ 22.06.2013
Mathias Richter
Freiheit und Macht. Perspektiven kritischer Gesellschaftstheorie – der Humanismusstreit zwischen Sartre und Foucault
Bielefeld: transcript Verlag 2011 (Edition Moderne Postmoderne); 633 S.; 42,80 €; ISBN 978-3-8376-1769-6Diss. Frankfurt a. M.; Gutachter: A. Honneth. – Foucault verkündete 1966, dass die moderne Wissensordnung, das moderne Denken, die Gestalt des Menschen erst geschaffen habe. Damit erklärte er den Tod des Menschen als philosophisches und politisches Subjekt der Emanzipation. Sartre aber verteidigte das entfremdete Individuum gegen dessen Auflösung in Herrschaftsstrukturen und Machtmechanismen und das Ziel seiner Befreiung. Die Gegenüberstellung des vermeintlichen Antihumanisten Foucault und des Humanisten Sartre in ihrem philosophischen Streitgespräch Mitte der 60er-Jahre ist der Ausgangspunkt Richters. Der Autor liest beide Ansätze im Lichte einer modernen Gesellschaftsanalyse und zeigt im handelnden Subjekt eine Schwach- und Schnittstelle beider Positionen auf: „Sartres praxisphilosophisch konzipierte Handlungstheorie krankt an einer nicht geleisteten begrifflichen Vermittlung mit der institutionellen Logik der [….] Machtverhältnisse. Seine Gesellschaftskritik bleibt insofern leer. Foucaults Analytik der Strukturen epochaler Machtsysteme verfehlt hingegen die real wirksamen Impulse möglicher Transformation in emanzipatorischer Perspektive.“ (606) Richter stellt beide Positionen gegenüber, beleuchtet deren Ursprünge u. a. bei Heidegger, extrahiert deren Begründungen und befragt abschließend beide nach ihrem möglichen Beitrag für eine philosophische Reflexion der modernen kapitalistischen Gesellschaften im Zeitalter der Globalisierung. Richter stärkt das handelnde, kommunikative Subjekt gegenüber Foucault und Sartre und fasst dies als deren philosophischen Ort der Begegnung. Beide Autoren in der Kreuzung zu denken, schaffe Befreiungspotenziale. Seine Arbeit lebt von der fundierten Entwicklung und Begründung einer philosophischen Position – ausgehend von der Möglichkeit eines humanistischen Denkens in der Moderne.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.42 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Mathias Richter: Freiheit und Macht. Bielefeld: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34211-freiheit-und-macht_41052, veröffentlicht am 08.09.2011.
Buch-Nr.: 41052
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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