/ 22.06.2013
Peter Schlotter / Simone Wisotzki (Hrsg.)
Friedens- und Konfliktforschung
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Forschungsstand Politikwissenschaft; AFK-Friedensschriften 35); 468 S.; 34,- €; ISBN 978-3-8329-3470-5Aus Anlass einer inzwischen über 40-jährigen Geschichte der institutionalisierten deutschen Friedens- und Konfliktforschung präsentieren Peter Schlotter und Simone Wisotzki eine Gesamtschau des derzeitigen Wissensbestandes. Beachtenswert ist hierbei die Herangehensweise, wonach die Beiträge von jüngeren Wissenschaftlern verfasst und dann von zwei Forschern der älteren Generation kommentiert wurden. Auf diese Weise entstand ein Studienbuch, das die Lücke einer systematischen Bestandsaufnahme schließt. Ungewöhnlich umfangreich führen Schlotter und Wisotzki in Geschichte, Begrifflichkeit und Forschungsgegenstand der Friedens- und Konfliktforschung ein. Thorsten Bonacker setzt die Einleitung mit Reflexionen zum Selbstverständnis des Wissenschaftszweiges fort. Feststellungen wie, „dass man über Selbstverständnis […] debattiert, gehört zum Selbstverständnis dazu“ (47), wirken allerdings sehr philosophisch. Drei thematische Kapitel sind dem Umgang mit Konflikt, Gewalt und Krieg, den Chancen und Risiken von Friedensstrategien sowie den Beiträgen anderer Disziplinen gewidmet. Hier kommen ergänzend Aspekte der Friedenspädagogik seit 1945 oder auch der naturwissenschaftlichen Beschäftigung mit Krieg und Frieden zum Tragen. Zwar kann man gegenüber Schlotters und Wisotzkis euphorischer Behauptung, dass es eine wachsende Zahl von Studiengängen zur Friedens- und Konfliktforschung gebe, skeptisch sein – zumal die Universität Hagen gerade ihren Friedens- und Konfliktforschungsstudiengang abgeschafft hat. Dennoch ist die in den Einzelbeiträgen aufgezeigte Entwicklung erfreulich positiv. Julika Bake sieht für den wohl brisanten Forschungsgegenstand, das Militär, einen deutlichen „Rückgang politisch-ideologisch motivierter Forschung“ (211) zugunsten empirisch-analytischer Arbeiten. Auch für die Kriegsursachenforschung stellt Klaus Schlichte fest, dass diese „Wissenschaft einer Theorie des Krieges […] heute näher“ (101) sei als noch vor zwanzig Jahren.
Kieron Kleinert (KIK)
M. A., Historiker und Politikwissenschaftler, Offizier, Bundeswehr.
Rubrizierung: 4.41 | 4.3 | 5.2 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Kieron Kleinert, Rezension zu: Peter Schlotter / Simone Wisotzki (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33356-friedens--und-konfliktforschung_39898, veröffentlicht am 30.06.2011.
Buch-Nr.: 39898
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M. A., Historiker und Politikwissenschaftler, Offizier, Bundeswehr.
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